dpa-AFX NEWSTICKER (Produktauszug)

24.09.2017

ROUNDUP: USA schicken Bomber und Schmähungen Richtung Nordkorea

WASHINGTON/SEOUL (dpa-AFX) - Nach der Entsendung mehrerer Langstreckenbomber und Kampfjets der USA in den internationalen Luftraum östlich von Nordkorea werden die Verbalattacken zwischen beiden Ländern heftiger. US-Präsident Donald Trump verhöhnte den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un am Samstagabend erneut als "Raketenmann" und konterte damit jüngsten Angriffsdrohungen aus Pjöngjang. Die Führung Nordkoreas mobilisierte Zehntausende Bürger in Pjöngjang zu einer Kundgebung gegen die USA.

"Ich habe gerade den Außenminister von Nordkorea bei der UN sprechen hören. Wenn er die Gedanken des kleinen Raketenmannes wiederholt, werden sie nicht mehr lange hier sein!", schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter. Er hatte Kim bereits am Dienstag bei seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen als "Raketenmann auf einer selbstmörderischen Mission" bezeichnet.

Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho hatte in seiner Rede bei der UN-Generaldebatte am Samstag gedroht, der Besuch nordkoreanischer Raketen "im gesamten US-Festland" sei "unvermeidlich geworden". Sein Land werde "erbarmungslose, präventive Schritte" ergreifen, wenn die USA versuchten, das Hauptquartier in Pjöngjang oder das Militär Nordkoreas zu "köpfen".

Es sei das erste Mal in diesem Jahrhundert, dass amerikanische Kampfflugzeuge oder Bomber so weit nördlich der entmilitarisierten Zone vor der nordkoreanischen Küste geflogen seien, teilte das Pentagon zu den entsandten Bombern des Typs B-1B von der Pazifikinsel Guam mit. Das unterstreiche, wie ernst die USA das "verwegene Verhalten" Pjöngjangs nähmen.

"Die Mission ist eine Demonstration amerikanischer Entschlossenheit und eine klare Botschaft, dass der Präsident (Donald Trump) viele militärische Optionen hat, jeder Bedrohung zu begegnen", hieß es weiter. "Wir sind bereit, die volle Bandbreite militärischer Fähigkeiten zu benutzen, um unser Heimatland und unsere Verbündeten zu schützen." Ri erklärte in New York unterdessen, die USA sollten "lieber zweimal nachdenken", bevor sie Pjöngjang mit militärischen Mitteln provozierten.

In seiner Ansprache konterte Ri die harte Rhetorik Trumps mit ähnlich scharfen Tönen. "Niemand außer Trump selbst ist auf einer selbstmörderischen Mission", sagte Ri, der damit Trumps Angriff auf Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un zitierte. Nordkorea befinde sich auf dem Weg zu einer Nuklearmacht und handle dabei auch "verantwortlich." Diesen Status sowie die Fähigkeit eines atomaren Angriffs müsse sich das kommunistisch regierte Land von keinem anderen Staat bescheinigen lassen. "Unser letztes Ziel ist, mit den USA eine Machtbalance herzustellen", sagte Ri, der die jüngsten Resolutionen des UN-Sicherheitsrats mit verschärften Sanktionen gegen Nordkorea als "ungerecht" kritisierte.

Der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA über die Raketen- und Nukleartests von Pjöngjang hatte sich am Freitag weiter zugespitzt. Als Reaktion auf kriegerische Töne von Trump vor der UN-Vollversammlung erklärte Kim Jong Un: "Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen."

Bei der Kundgebung auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang hätten sich am Samstag mehr als 100 000 Menschen aus allen Gesellschaftsschichten "in dem vollen Geist versammelt, die Feinde auszulöschen", berichteten die Staatsmedien am Sonntag.

Alle Parteimitglieder und Bürger von Pjöngjang seien entschlossen, "die US-Imperialisten, den eingeschworenen Feind, vollständig von der Erde zu beseitigen", rief demnach der Vizevorsitzende des Stadtkomitees der herrschenden Arbeiterpartei, Choe Hak Chol, als einer von mehreren Rednern der Menge zu. Solche Massenkundgebungen sind in Nordkorea nicht unüblich, um die Unterstützung der Bürger für die Politik der Regierung zu demonstrieren.

Am Samstag hatten Berichte über ein Erdbeben in Nordkorea für Aufsehen gesorgt, da zunächst ein möglicher neuer Atomwaffentest befürchtet wurde. Südkoreanische Experten erklärten jedoch, es habe sich um ein "natürliches Beben" der Stärke 3,2 in der Nähe des Testgeländes gehandelt, nicht um einen Atomtest. Die norwegische Erdbebenwarte Norsar sagte ebenfalls, die bisher ausgewerteten seismischen Signale sprächen eher für ein Nachbeben oder einen Felseinsturz als Folge des jüngsten Tests vom 3. September./dg/ch/jot/gma/DP/zb

24.09.2017

ROUNDUP/Verbände: Elektroautos sind keine Gefahr fürs Stromnetz

INGOLSTADT (dpa-AFX) - Die E-Autolobby wehrt sich gegen einen Vorwurf aus der Strombranche: Elektroautos seien keine Gefahr für das Stromnetz, argumentieren der Bundesverband Elektromobilität (BEM) und der Bundesverband Windenergie. Engpässe für die Stromversorgung seien nicht zu erwarten, sagte BEM-Präsident Kurt Sigl der Deutschen Presse-Agentur. Denn nach Einschätzung des Verbands ist nicht zu erwarten, dass Millionen E-Autobesitzer ihre Fahrzeuge gleichzeitig aufladen werden und damit das deutsche Stromnetz überlasten.

Sigl begründete das damit, dass die Akkus stetig leistungsfähiger werden - und viele Autos den Großteil ihrer Lebensdauer gar nicht gefahren werden: "Das durchschnittliche Auto in Deutschland fährt laut Kraftfahrtbundesamt 14 000 Kilometer im Jahr, das sind knapp 40 Kilometer beziehungsweise eine Stunde Fahrzeit am Tag", sagte Sigl. "Im Schnitt steht ein Auto also 23 Stunden am Tag, das lässt viel Zeit zum Nachladen."

Anlass der Diskussion: Insbesondere in der süddeutschen Strombranche herrscht Sorge, dass die zunehmende Verbreitung elektrischer Wärmepumpen und Autos künftig höhere Lastspitzen für das Stromnetz mit sich bringen wird. Ein weiterer Faktor ist, dass die Stromproduktion in Bayern und Baden-Württemberg nach der für Ende 2022 geplanten Abschaltung des letzten Atomkraftwerks voraussichtlich weit unter dem Bedarf liegen wird.

Doch der Elektromobilitätsverband hält die Befürchtungen für unbegründet. "Wir haben elf Millionen Zweit- und Drittfahrzeuge in Deutschland", sagte Sigl. "Eigentlich sollte es Stehzeug und nicht Fahrzeug heißen." Die Prognose des ehemaligen Audi -Managers: "Viele Menschen werden mit ihrem Elektroauto nur jeden dritten Tag an die Steckdose gehen."

Unterstützung kommt vom Bundesverband Windenergie: Ein E-Auto brauche für 100 Kilometer im Schnitt 17 Kilowattstunden - aufs ganze Jahr gerechnet wären das für die Durchschnittsfahrleistung von 14 000 Kilometern dann 2400 Kilowattstunden. Das ließe sich leicht mit einer Photovoltaik-Anlage von 18 Quadratmetern Fläche erzeugen, sagte Raimund Kamm, der bayerische Landesvorsitzende des Windenergieverbands. "Das hat Platz auf einem Garagendach."

Kamm nennt ein weiteres Beispiel: Haarföne. "Wir haben 40 Millionen Haushalte in Deutschland. Und in jedem Haushalt gibt es wahrscheinlich einen Fön mit einer Leistung von 1500 Watt. Wenn alle 40 Millionen Föne gleichzeitig liefen, wäre das auch eine große Belastung für das Stromnetz. Aber es werden eben nicht alle 40 Millionen Föne gleichzeitig angeschaltet."

Ein modernes Windrad erzeuge sogar in bayerischen "Leichtwindgebieten" ausreichend Strom für knapp 4000 Elektroautos, sagte Kamm. Eine Million Elektroautos würden den Stromverbrauch in Deutschland lediglich um ein halbes Prozent erhöhen. "Deutschland exportiert aber jedes Jahr einen hohen Stromüberschuss."/cho/DP/zb

24.09.2017

Enorme 'Maria'-Schäden in Puerto Rico - Sorge um Staudamm

SAN JUAN (dpa-AFX) - Auf der Karibikinsel Puerto Rico sind durch den Hurrikan "Maria" mindestens zehn Menschen getötet und Schäden in Milliardenhöhe verursacht worden. Wie Gouverneur Ricardo Rosselló Nevares mitteilte, sei mit höheren Summen als durch Hurrikan Georges im Jahr 1998 zu rechnen. "Georges verursachte Kosten von sieben bis zehn Milliarden Dollar (5,8 bis 8,4 Mrd Euro), jetzt ist mit weit höheren Zahlen zu rechnen", sagte Nevares. Wie die Zeitung "El nuevo día" berichtete, gebe es offiziell bisher zehn Todesopfer, nach noch unbestätigten Berichten liege die Zahl der Toten bei bis zu 16 Toten.

Der gefährdete große Guajataca-Staudamm in Quebradillas konnte bisher den durch die Überflutungen verursachten Wassermassen standhalten, weist aber Schäden auf. Mehrere Gemeinden wurden evakuiert. Der Staudamm im Westen wird als Wasserkraftwerk zur Stromgewinnung genutzt. 11 000 Menschen befinden sich derzeit in Notunterkünften.

In ganz Puerto Rico ist der Strom ausgefallen, das Benzin ist knapp und die noch funktionierenden Tankstellen dürfen Benzin meist nur an offizielle Wagen für Rettungseinsätze abgeben. Mehrere Krankenhäuser können mangels Strom kaum noch arbeiten, auch Essen und Trinkwasser werden in dem US-Außengebiet knapp, das östlich der Dominikanischen Republik liegt. "Die Zerstörungen sind enorm, es gibt Hunderttausende Personen, zu denen wir noch nicht gelangen konnten", sagte die Bürgermeisterin von San Juan, Carmen Yulín Cruz, dem US-Sender CNN.

Fast alle 3,4 Millionen Einwohner der Insel seien weiter ohne Strom. Zudem seien zahlreiche Regionen von der Kommunikation abgeschnitten. Nur rund 25 Prozent haben derzeit Zugang zu Trinkwasser, hieß es. Es kam zu Plünderungen. Gouverneur Ricardo Rosselló Nevares hat eine Ausgangssperre von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens ausgerufen.

US-Präsident Donald Trump hatte den Katstrophenzustand für Puerto Rico ausgerufen. Damit bekommt das US-Außengebiet finanzielle Hilfen zum Beispiel für Notunterkünfte und Reparaturen. Das US-Militär unterstützt mit sechs Hubschraubern und vier Transportflugzeugen Hilfsmaßnahmen. Puerto Rico ist ein assoziierter Freistaat der USA, weshalb die Bürger sich nicht an Wahlen beteiligen können. Die von der Pleite bedrohte Insel will aber der 51. Bundesstaat der USA werden. Dieser Wunsch müsste vom US-Kongress gebilligt werden.

Der internationale Flughafen Luis Muñoz Marín nahm schrittweise wieder den Betrieb auf. Zwar sind Linienflüge aus den USA zum Teil bis Dienstag ausgesetzt, aber erste militärische Hilfsflüge mit Zelten, Nahrung und Wasser erreichten die Insel. Zudem wurden aus New York Ingenieure eingeflogen, um bei der Wiederherstellung der Stromversorgung zu helfen. Die Insel ist etwa so groß wie Zypern.

Insgesamt wurden durch "Maria" in Puerto Rico, Dominica und Guadalupe bisher über 30 Menschen getötet. Ausläufer des Hurrikans könnten auch die US-Küste treffen, wie das US-Hurrikanzentrum mitteilte. Es wird aber damit gerechnet, dass sich "Maria" weiter abschwächt./ir/go/aae/DP/zb

24.09.2017

WAHL: Mit wem regiert Merkel und wie stark wird die AfD?

BERLIN (dpa-AFX) - Die Wähler entscheiden an diesem Sonntag über die Zusammensetzung des nächsten Bundestages und damit über mögliche Regierungskoalitionen in den nächsten vier Jahren. Dabei gilt eine Bestätigung von Angela Merkel (CDU) als Bundeskanzlerin trotz erwarteter Verluste für die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD Umfragen zufolge als sicher. Mit Spannung wird aber erwartet, ob sich Merkel Regierungsbündnisse jenseits der großen Koalition bieten könnten. Politiker und Experten äußerten sich zudem besorgt darüber, dass die rechtsnationale AfD erstmals und Umfragen zufolge sogar als drittstärkste Kraft in den Bundestag einziehen könnte.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Deutschen auf, zur Wahl zu gehen. "Wahlrecht ist Bürgerrecht. Für mich ist es in einer Demokratie vornehmste Bürgerpflicht. Gehen Sie zur Wahl!", schrieb das Staatsoberhaupt in der "Bild am Sonntag". "Wer nicht wählt, lässt nur andere über die Zukunft unseres Landes entscheiden", warnte Steinmeier. Es sei vielleicht noch nie so spürbar wie jetzt gewesen, dass es in Wahlen "auch um die Zukunft der Demokratie und die Zukunft Europas" gehe. "Jede Stimme zählt - Ihre Stimme zählt", betonte er.

Merkel, ihr SPD-Herausforderer Martin Schulz und andere Spitzenkandidaten kämpften bis zuletzt um die Stimmen unentschlossener Wähler. Schulz warb am Samstag in Aachen noch einmal für einen Regierungswechsel unter seiner Führung. "Wir kämpfen bis zur letzten Minute", sagte der 61-Jährige. Es gelte, eine "Regierung der sozialen Kälte" und einen Erfolg der AfD zu verhindern. "Es droht zum ersten Mal seit 1945, dass im Bundestag wieder die Totengräber der Demokratie das Wort ergreifen", warnte er.

Merkel besuchte zum Abschluss des Wahlkampfs ihren Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern, wo sie vor vier Jahren 56,2 Prozent der Erststimmen erhalten hatte. Aufmerksam wird registriert werden, wie viele Stimmen sie dort am Sonntag an die AfD abgeben muss. Zuvor rief sie die CDU noch einmal zum Kampf um die Stimmen unentschiedener Wähler auf. "Viele entscheiden sich erst in den letzten Stunden", sagte sie bei einem Treffen mit jungen CDU-Wahlkampfhelfern in Berlin. Deshalb gelte nun die Parole: "Ran an den Speck!"

Rund 61,5 Millionen Deutsche sind am Sonntag zur Wahl aufgerufen. Die Wahllokale haben von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Letzte Umfragen sehen die Union zwischen 34 und 36 Prozent. Die SPD steht bei 21 bis 22 Prozent. Die AfD käme auf 11 bis 13 Prozent, die Linke auf 9,5 bis 11, die FDP auf 9 bis 9,5 Prozent. Die Grünen stehen bei 7 bis 8 Prozent.

Damit könnte neben einer neuen großen Koalition aus Union und SPD auch ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen möglich werden. Bei der Bundestagswahl 2013 hatte die Union 41,5 Prozent bekommen, die SPD 25,7 Prozent, die Linke kam auf 8,6, die Grünen erreichten 8,4 Prozent. FDP (4,8) und AfD (4,7) scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.

Wie stark der erwartete Einzug der AfD in den Bundestag das politische Klima in Deutschland verändern wird, beschäftigt unterdessen Politiker und Experten. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die AfD als "Wolf im Schafspelz". Der Verfassungsschutz verfolge, "ob sich Rechtsextremisten dieser Partei bemächtigen und ob sie Einfluss auf die Partei haben", sagte er t-online.de.

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, äußerte sich besorgt über die hitzige Stimmung vor allem in Ostdeutschland. "Diese Wut und der Hass, der dieser Tage auf der Straße zu beobachten ist, beunruhigt mich schon sehr", sagte er der "Berliner Zeitung" (Samstag). Befürchtungen gibt es auch beim Zentralrat der Juden in Deutschland. Dessen Präsident Josef Schuster sagte dem "Tagesspiegel" er halte es für möglich, dass sich die AfD in Zukunft auch gegen Menschen jüdischen Glaubens wenden könnte.

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, erwartet jedoch, dass sich die AfD nach ihrem Einzug in den Bundestag rasch zerstreiten wird. "Die AfD wird sich zerlegen, weil das bei sektiererischen Gruppen vom rechten Rand bisher immer so war", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung"./tl/sam/ubs/mrt/cd/DP/zb

24.09.2017

WAHL/Von Merkel bis Weidel: Die Spitzenkandidaten im Porträt

BERLIN (dpa-AFX) - Von Merkel bis Weidel: Die Spitzenkandidaten im Porträt

ANGELA MERKEL: Die 63-jährige CDU-Politikerin ist seit 2005 die erste Bundeskanzlerin Deutschlands und gilt als eine der mächtigsten Frauen weltweit. Wenn Merkel wiedergewählt würde, könnte die Ost-Frau genauso lange wie Helmut Kohl an der Macht bleiben. Mit Ex-Kanzler Kohl hat auch ihr Aufstieg in der CDU zu tun. Sie wird "Kohls Mädchen" genannt, weil er die Ostdeutsche nach der Wiedervereinigung fördert. Er macht die promovierte Physikerin 1991 zunächst zur Jugendministerin, dann zur Umweltministerin. Nach der Schlappe bei der Wahl 1998 übernimmt sie das Amt der CDU-Generalsekretärin. In der Spendenaffäre geht sie auf Distanz zu ihrem Übervater und steigt 2000 zur Parteichefin auf. Fünf Jahre später schlägt sie bei der Wahl SPD-Kanzler Gerhard Schröder. Die Flüchtlingskrise gilt als Zäsur in ihrer Kanzlerschaft. Merkel ermöglicht es im Herbst 2015, dass hunderttausende Migranten und Flüchtlinge unter anderem aus dem Bürgerkriegsland Syrien nach Deutschland kommen. Dafür wird sie zunächst von Teilen der Bevölkerung gelobt und später scharf kritisiert. Merkel gilt als uneitel, nervenstark und ist in zweiter Ehe mit dem Chemie-Professor Joachim Sauer verheiratet.

MARTIN SCHULZ: Der Merkel-Herausforderer ist ein glühender Europäer. Martin Schulz (61) ist von 2012 bis Anfang dieses Jahres Präsident des Europäischen Parlaments und gibt ihm eine starke Stimme. Auch in der SPD wird der Mann aus Würselen immer einflussreicher. Schulz und der damalige SPD-Chef Sigmar Gabriel bezeichnen sich gegenseitig als "Freunde". Als Gabriel Anfang des Jahres auf die Kanzlerkandidatur verzichtet, greift Schulz zu. Die Partei reagiert begeistert. Der gelernte Buchhändler und frühere Bürgermeister von Würselen geht offen damit um, dass er kein Abitur hat und in seiner Jugend Alkoholiker war. Beim Parteitag wird er mit 100 Prozent zum SPD-Vorsitzenden gewählt. Die Umfragen sehen die SPD erstmals seit langer Zeit wieder fast auf Augenhöhe mit der Union. Doch dann verliert die Partei im Frühjahr alle drei Landtagswahlen und muss in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein die Macht abgeben. Die Umfragen auch im Bund gehen in den Sinkflug. Der SPD-Chef Schulz, der in seiner Jugend Profifußballer werden wollte, kämpft. Der Rheinländer ist seit über 30 Jahren mit seiner Frau Inge, eine Landschaftsarchitektin, verheiratet und hat mit ihr zwei erwachsene Kinder.

DIETMAR BARTSCH: Der 59-jährige Ostdeutsche ist ein erfahrener Stratege seiner Partei Die Linke. In der SPD wird er von vielen geschätzt. Dennoch hat er es als ein Hoffnungsträger für Rot-Rot-Grün im Bund schwer, gilt doch ein Linksbündnis nach der Wahl als wenig aussichtsreich. Zum Durchsetzen von Zielen brauche man Partner, zum Koalieren Kompromisse, betont er. In der DDR tritt er noch als Heranwachsender in die SED ein, studiert Ökonomie und promoviert in Moskau. Von 1991 bis 1997 ist er Schatzmeister der Nachfolgepartei PDS. Anschließend wird er Bundesgeschäftsführer - bis er sich 2010 mit seinem damaligen Parteichef Oskar Lafontaine überwirft. Gemeinsam mit Sahra Wagenknecht tritt Bartsch 2015 die Nachfolge von Gregor Gysi im Fraktionsvorsitz an.

SAHRA WAGENKNECHT: Die 48-Jährige hat viel von ihrer Schärfe früherer Jahre abgelegt, tritt aber immer noch für eine Überwindung des Kapitalismus in Deutschland ein. Im Bundestag ruft sie regelmäßig gereizte Reaktionen der anderen Parteien hervor. Als Rednerin kann die Frau von Oskar Lafontaine Hallen für sich einnehmen. Sie ist kontrolliert und ehrgeizig, ob im Wahlkampf oder auf ihrem Fahrrad, mit dem sie große Touren zuhause im Saarland unternimmt. Lange ist sie Wortführerin der "Kommunistische Plattform" der Partei, lässt ihre Mitgliedschaft aber nach dem Aufstieg in die Parteispitze ruhen. Seit dem Rückzug Lafontaines aus der Bundespolitik führt Wagenknecht den linken Parteiflügel an.

CEM ÖZDEMIR: Denkbar knapp hat die Grünen-Basis den Parteichef zum Spitzenkandidaten gewählt. 76 Stimmen machen den Unterschied. Seine Anhänger finden, der 51-Jährige sei für diesen Wahlkampf genau der Richtige. Als Sohn türkischer Gastarbeiter wirke seine Kritik an der türkischen Regierung glaubwürdig. Als Schwabe verbinde man ihn mit dem beliebten Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Wie der steht Özdemir für eine mögliche Zusammenarbeit mit der Union. Seit 2008 ist er Vorsitzender. Bei den Grünen ist er seit 1981 und zog 1994 als erster Abgeordneter türkischer Herkunft in den Bundestag ein. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

KATRIN GÖRING-ECKARDT: Die Ost-Frau und Realo-Politikerin ist zum zweiten Mal Spitzenkandidatin der Grünen. Anders als ihr damaliger Co-Kandidat Jürgen Trittin rückt sie nach der Wahl 2013 nicht in die zweite Reihe, sondern wird Chefin der grünen Bundestagsfraktion. Im Bundestag sitzt die 51-Jährige seit 1998. Der fünffachen Großmutter liegt Soziales besonders am Herzen. Die Thüringerin ist 1989 an der Gründung der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt beteiligt, die im Bündnis 90 aufging. Ihr Theologiestudium schließt die passionierte Joggerin nicht ab, in der evangelischen Kirche ist sie bis heute aktiv. Göring-Eckardt wird manchmal als langweilig kritisiert, kann aber auch scharf angreifen.

CHRISTIAN LINDNER: Auf ihn konzentrieren sich alle Hoffnungen in der FDP. Der 38-Jährige soll die Liberalen nach dem Absturz vor vier Jahren wieder zurück in den Bundestag führen. Der in Wuppertal geborene Politikwissenschaftler, der mit einer Journalistin verheiratet ist und schnelle Autos liebt, gilt schon früh als Wunderkind der FDP. Lindner redet pointiert und druckreif zu allen Themen. Der damalige FDP-Chef Guido Westerwelle macht ihn 2009 zum Generalsekretär. Als Philipp Rösler 2013 Parteivorsitzender wird, gibt Lindner sein Amt kurze Zeit später ab und geht zurück nach NRW. Dort führt er die FDP bei der Landtagswahl schon 2012 zum Erfolg. Kurz nach dem Desaster der Bundes-FDP wird er Ende 2013 Parteichef. Vier Jahre später könnte Lindner seine Partei vielleicht sogar wieder in eine Regierung führen.

ALEXANDER GAULAND: Der Vize-Parteichef gilt als wichtigster Strippenzieher der AfD. Der 76-Jährige liebt die Oper und würzt seine Wahlkampfreden gelegentlich mit historischen Anspielungen, die viele seiner Zuhörer überfordern. Dazu passt seine Vorliebe für Tweed-Sakkos und Krawatten in Dunkelgrün. Gauland war CDU-Mitglied und Staatssekretär in Hessen, später dann Herausgeber der "Märkischen Allgemeinen" in Potsdam. Die AfD ist seine späte Rache dafür, dass sich in der CDU keine Mehrheit mehr für einen rechtskonservativen Kurs fand. Gauland hat eine erwachsene Tochter, die mit der AfD nichts am Hut hat. Er unterstützt den rechtsnationalen Flügel der Partei um Björn Höcke. Wie Höcke lehnt er eine Zuwanderung von Menschen aus Asien und Afrika in nennenswerter Zahl ab.

ALICE WEIDEL: Die 38-jährige ist eine Seiteneinsteigerin. Die Ökonomin stößt 2013 aus Protest gegen die Eurorettungspolitik der Bundesregierung zur AfD. Zuletzt arbeitet sie als Unternehmensberaterin. Ihr Verhältnis zu Parteichefin Frauke Petry ist lange Zeit sehr gut. Beide stimmen im Vorstand dafür, ein Parteiausschlussverfahren gegen den Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke einzuleiten. Als Weidel sich entschließt, gemeinsam mit Gauland das Spitzenteam zu bilden, kühlt das Verhältnis ab. Weidel zieht mit ihrer Lebenspartnerin gemeinsam zwei Kinder groß. In Wahlkampfreden spricht sie viel über "illegale Migration". Für einen Eklat sorgt sie zuletzt, als sie während einer laufenden ZDF-Diskussionsrunde das Studio verlässt./hot/all/DP/zb

24.09.2017

WAHL: Was man über die Bundestagswahl wissen muss

BERLIN (dpa-AFX) - Behält Angela Merkel die Macht? Oder gelingt Martin Schulz noch der Überraschungserfolg? Kommt der politische Wechsel? Oder bleibt am Ende alles beim Alten? Das haben an diesem Sonntag die Bürger in der Hand. Alles Wichtige zur Wahl:

WÄHLER: Rund 61,5 Millionen Wahlberechtigte dürfen den 19. Bundestag wählen. Im Vergleich zu 2013 sind das rund 400 000 Wahlberechtigte weniger. Drei Millionen Erstwähler können ihre Stimme abgeben. Insgesamt ist die Wahlbevölkerung aber so alt wie nie zuvor. Zum ersten Mal ist mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten über 52 Jahre alt, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung errechnet hat. Mehr als jeder Dritte (36,1 Prozent) ist einer Schätzung des Bundesamtes für Statistik zufolge 60 Jahre oder älter.

WAHL: Die Kabinen in den 73 500 Urnenwahlbezirken im Land sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Etwa 30 Prozent der Wähler wollen einer Umfrage zufolge ihre Stimme dann schon per Briefwahl abgegeben haben. 2013 lag der Anteil der Briefwähler bei 24,3 Prozent. 42 Parteien treten in diesem Jahr an, 34 von ihnen mit Landeslisten. 2013 waren es 34 Parteien (30 mit Landeslisten). 650 000 Wahlhelferinnen und - helfer sind am Wahltag in den insgesamt 299 Wahlkreisen im Einsatz.

Rund 92 Millionen Euro wird die Wahl den Bund kosten, schätzt das Bundesinnenministerium. Das wären 15 Millionen Euro mehr als 2013 (77 Mio. Euro) - und mehr als je zuvor.

AUSGANGSLAGE: Bei der Bundestagswahl 2013 erzielte die CDU/CSU 41,5 Prozent, die SPD 25,7, die Linke 8,6, die Grünen 8,4, die FDP 4,8 und die AfD 4,7 Prozent. Im aktuellen Bundestag sitzen 630 Abgeordnete. Die Union stellt die größte Fraktion (309 Sitze), die SPD hat 193 Sitze. Linkspartei und Grüne in der Opposition kommen auf 64 bzw. 63 Sitze. Eine Abgeordnete - Erika Steinbach - ist fraktionslos. Sie trat im Laufe der Wahlperiode aus der CDU und der Unionsfraktion aus.

KANZLERFRAGE: Nur Konrad Adenauer (1949-1963) und Helmut Kohl (1982-1998) waren länger im Amt als Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die CDU-Vorsitzende strebt ihre vierte Amtszeit an. Seit 2005 sitzt Merkel im Kanzleramt. Sie ist nach sieben Männern die erste Frau an der Regierungsspitze. Seit Gründung der Bundesrepublik hat die Union rund 48 Jahre lang den Kanzler gestellt, die SPD rund 20 Jahre.

KOALITIONEN: Die aktuelle Regierung ist die dritte große Koalition nach 1966 und 2005. Seit 1961 waren die Koalitionen stets zweifarbig: Schwarz-Gelb, Rot-Gelb, Rot-Grün - oder eben Rot-Schwarz.

PERSONAL: Nur Union (Angela Merkel), SPD (Martin Schulz) und FDP (Christian Lindner) setzen auf einen einzigen Spitzenkandidaten. Linke, Grüne und AfD schicken jeweils ein Duo ins Rennen: Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch (Linke), Alice Weidel und Alexander Gauland (AfD).

UMFRAGEN: Seit Monaten gehen die Meinungsforschungsinstitute von einem Sieg der Union aus. Die CDU/CSU liegt in den Umfragen bei 34 bis 37 Prozent. Die SPD kommt auf 20 bis 22 Prozent. Spannend dürfte der Kampf um Platz drei werden: Grüne, FDP, Linke und AfD liegen fast gleichauf. Die AfD erreicht in den Umfragen 10 bis 13 Prozent, die FDP 9 bis 11 und die Linke 8,5 bis 11 Prozent. Für die Grünen werden 7 bis 8 Prozent vorhergesagt.

OPTIONEN: Kommt die vierte GroKo? Rechnerisch wäre es eine der wenigen Varianten, für die es in den Umfragen zu einer Mehrheit reicht. Was wären die Alternativen? Für ein "Jamaika"-Bündnis aus Union, Grünen und FDP würde es zwar in allen Umfragen reichen. Grüne und Liberale sehen diese Koalition aber sehr skeptisch. Bei manchen Instituten hat Schwarz-Gelb eine knappe Mehrheit. Rot-Rot-Grün ist von einer Mehrheit weit entfernt./neb/DP/zb

24.09.2017

WAHL: Bundestagswahl gestartet - Wahllokale geöffnet

BERLIN (dpa-AFX) - Die Bundestagswahl hat begonnen. Rund 73 500 Wahllokale haben am Sonntag um 08.00 Uhr geöffnet. Etwa 61,5 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, Erst- und Zweitstimme abzugeben und so über die Zusammensetzung des neuen Bundestags zu entscheiden.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel kann laut Umfragen auf weitere vier Jahre als Bundeskanzlerin hoffen. Es ist aber offen, mit welchem Koalitionspartner sie regieren könnte. Als wahrscheinlichste Möglichkeiten gelten eine Fortsetzung der großen Koalition mit der SPD oder eine bundesweit noch nie erprobte Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen.

Mit besonderer Spannung wird das Abschneiden der AfD erwartet: Nach den letzten Umfragen kann sie ein zweistelliges Ergebnis erwarten. Damit würde erstmals seit den 50er Jahren eine rechtsnationale Partei in den Bundestag einziehen.

Die Wahlbeteiligung war bei den vergangenen Bundestagswahlen deutlich gesunken. Vor vier Jahren hatte sie 71,5 Prozent betragen. Angesichts einer stärkeren Politisierung in diesem Jahr und der teils aufgeheizten Debatte um die AfD erwarten Demoskopen aber einen leichten Zuwachs.

Die Wahllokale schließen um 18.00 Uhr, gleich darauf senden die großen Fernsehsender die ersten Prognosen. Das amtliche Endergebnis wird für die Nacht zum Montag erwartet./and/DP/zb

24.09.2017

US-Banken weitaus profitabler als europäische Konkurrenz

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Abstand der US-Banken zu ihren europäischen Wettbewerbern in Sachen Profitabilität wächst. Zwar konnten Europas Großbanken im ersten Halbjahr ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern. Jenseits des Atlantiks stiegen die Überschüsse aber deutlich kräftiger, wie eine am Sonntag veröffentlichte Auswertung des Beratungsunternehmens EY ergab.

Die zehn nach Bilanzsumme größten Geldinstitute in Europa verdienten demnach in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres unter dem Strich zusammen rund 24,2 Milliarden Euro und damit fünf Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die US-Konkurrenz kam derweil zusammen auf umgerechnet fast 57,5 Milliarden Euro - ein Plus von 19 Prozent./ben/DP/zb

24.09.2017

Verbände: Elektroautos keine Gefahr fürs Stromnetz

INGOLSTADT (dpa-AFX) - Die E-Autolobby wehrt sich gegen einen Vorwurf aus der Strombranche: Elektroautos seien keine Gefahr für das Stromnetz, argumentieren der Bundesverband Elektromobilität (BEM) und der Bundesverband Windenergie. Engpässe für die Stromversorgung seien nicht zu erwarten, sagte BEM-Präsident Kurt Sigl der Deutschen Presse-Agentur. Denn nach Einschätzung des Verbands ist nicht zu erwarten, dass Millionen E-Autobesitzer ihre Fahrzeuge gleichzeitig aufladen werden und damit das deutsche Stromnetz überlasten.

Sigl begründete das damit, dass die Akkus stetig leistungsfähiger werden - und viele Autos den Großteil ihrer Lebensdauer gar nicht gefahren werden: "Das durchschnittliche Auto in Deutschland fährt laut Kraftfahrtbundesamt 14 000 Kilometer im Jahr, das sind knapp 40 Kilometer beziehungsweise eine Stunde Fahrzeit am Tag", sagte Sigl. "Im Schnitt steht ein Auto also 23 Stunden am Tag, das lässt viel Zeit zum Nachladen."

Anlass der Diskussion: Insbesondere in der süddeutschen Strombranche herrscht Sorge, dass die Verbreitung elektrischer Wärmepumpen und Autos künftig höhere Lastspitzen für das Stromnetz mit sich bringen wird. Ein weiterer Faktor ist, dass die Stromproduktion in Bayern und Baden-Württemberg nach der für Ende 2022 geplanten Abschaltung des letzten Atomkraftwerks voraussichtlich weit unter dem Bedarf liegen wird./cho/DP/zb

24.09.2017

Reiseexperte sieht keine steigenden Preise nach Air-Berlin-Aufteilung

BERLIN (dpa-AFX) - Bei der Aufteilung der insolventen Fluglinie Air Berlin sieht ein Reiseexperte derzeit nicht die Gefahr steigender Ticketpreise. "Es sind weder ein Monopol noch steigende Preise für Kunden zu befürchten", sagte Felix Methmann, Reiserechtsexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Marktanteile der Lufthansa im deutschen Markt würden Prognosen zufolge zwar auf knapp 50 Prozent steigen. Für den Fall, dass dies so kommen sollte, sagte Methmann: "Wichtig ist nur, dass auf allen innerdeutschen Strecken noch Wettbewerb herrscht."

Große Chancen auf eine Übernahme weiter Teile der Air Berlin hat die Lufthansa, wie nach Sitzungen der Gläubigerausschüsse am Donnerstag zu erfahren war. Die Gläubiger verhandeln exklusiv mit dem deutschen Marktführer über einen Verkauf der Air-Berlin-Tochter Niki und weiterer Teile. Kleinere Teile könnten dem Vernehmen nach an die britische Gesellschaft Easyjet gehen, wahrscheinlich komme auch die Thomas-Cook-Tochter Condor noch ins Spiel. Die Verhandlungen sollen demnach noch bis zum 12. Oktober dauern.

"Je länger sich die Verhandlungen hinziehen, desto größer ist die Gefahr des "Groundings"", sagte Methmann. Bei einem "Grounding" würden alle Flugzeuge am Boden bleiben, etwa wenn Air Berlin das Geld ausgeht. Dies hätte massive Auswirkungen für Passagiere. Generell meinte Methmann: "Man kann keinem Kunden empfehlen, derzeit einen Flug mit Air Berlin zu buchen."/hoe/DP/zb

22.09.2017

ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Nordkorea-Krise sorgt für Kursstillstand

NEW YORK (dpa-AFX) - Das erneute Auflodern des Konflikts um Nordkorea hat die Wall Street am Freitag ausgebremst. Die großen Indizes traten auf der Stelle. Der Dow Jones Industrial schloss 0,04 Prozent niedriger auf 22 349,59 Punkte. Auf Wochensicht steht für den Index ein kleines Plus von 0,37 Prozent zu Buche. Anleger gingen vor dem Wochenende keine Risiken mehr ein und kauften stattdessen Staatsanleihen.

US-Präsident Donald Trump hat den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un als "Verrückten" bezeichnet. Dieser hatte Trump zuvor einen "dementen Greis" genannt. Sein Außenminister Ri Yong Ho signalisierte zudem, dass Nordkorea eine Wasserstoffbombe im Pazifik testen könnte. Nach den USA kündigte auch die Europäische Union neue Sanktionen gegen Pjöngjang an.

MARTIALISCHE TÖNE AUS NORDKOREA

"Den jüngsten Krieg der Worte tun Aktienhändler nicht gerade mit einem Achselzucken ab", stellte der Analyst Mike van Dulken von Accendo Research fest. Miraji Othman von der BayernLB sprach von "erneuten martialischen Tönen aus Nordkorea". Der verbale Schlagabtausch und möglicherweise weitere Raketentests Nordkoreas dürften die Märkte auch in den kommenden Wochen beschäftigen.

Der marktbreite S&P-500-Index schloss 0,06 Prozent höher auf 2502,22 Punkte. Der technologielastige Nasdaq-100 gab um 0,04 Prozent nach auf 5932,32 Zähler.

FUSIONSFANTASIE TREIBT MOBILFUNK-AKTIEN

Apple -Aktien setzten den zu Anfang des Monats begonnenen Abwärtstrend fort. Das Papier verlor 1,34 Prozent, womit sich die Kursverluste seit dem Rekordhoch vom 1. September bei knapp 165 US-Dollar auf rund 8 Prozent summieren. Händler verwiesen zur Begründung auf sich mehrende Zweifel am Markt an einem durchschlagenden Erfolg der neuen iPhone-Modelle.

Daneben richten sich die Blicke erneut auf die Mobilfunker T-Mobile US und Sprint. Die am Dienstag bereits kräftig gestiegenen Papiere der Telekom-Tochter und von Sprint waren erneut gefragt. T-Mobile gewannen 1,06 Prozent und Sprint sogar 6,10 Prozent. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, demzufolge beide Unternehmen bei den Verhandlungen um den Zusammenschluss zu einem Mobilfunkriesen auf dem US-Markt immer näher kommen. Eine Einigung könne kurz bevorstehen. Auch die Papiere von Verizon stiegen um knapp 2 Prozent.

FIRST SOLAR PROFITIEREN VON MÖGLICHEN STRAFZÖLLEN

Eine Entscheidung der Internationalen Handelskommission in den USA zu Billigimporten von Solaranlagen sorgte bei den Papieren des US-Herstellers First Solar für ein kräftiges Kursplus von 5,62 Prozent. Die Kommission war zum Ergebnis gekommen, dass Billigimporte der heimischen Solarindustrie schaden. Als Konsequenz daraus dürfte sie dem US-Präsidenten nun Strafzölle und Importquoten vorschlagen. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg dürfte das noch im November geschehen.

Boeing -Aktien legten leicht zu. Die Fluglinie Turkish Airlines will beim Flugzeugbauer im großen Stil Langstreckenjets kaufen. Der Deal soll 40 Exemplare des jüngsten Typs Boeing 787-9 "Dreamliner" umfassen.

CARMAX UND FINISH LINE STEIGEN KRÄFTIG

Kräftige Kursgewinne gab es zudem bei zwei kleineren Werten. So zogen die Papiere des Sportartikelhändlers The Finish Line um 5,53 Prozent an, nachdem das Unternehmen sich optimistisch zum vierten Quartal geäußert hatte. Das Unternehmen betreibt mehr als 600 Läden in den USA.

Papiere von CarMax, nach eigener Aussage mit 178 Autohäusern der größte Gebrauchtwagenhändler der USA, zogen um 7,77 Prozent an. Das Unternehmen berichtete von jüngst höheren Verkaufszahlen und -preisen - trotz der Schließung einiger Autohäuser für mehrere Wochen wegen des Hurrikan "Harvey".

EURO GIBT GEWINNE WIEDER AB

Der Euro hat anfängliche Kursgewinne im US-Devisenhandel weitgehend wieder abgegeben. Die Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,1950 US-Dollar, nachdem sie am Mittag in der Spitze noch über 1,20 Dollar gestiegen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1961 (Donnerstag: 1,1905) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8361 (0,8400) Euro. US-Staatsanleihen haben angesichts des Nordkorea-Konflikts Gewinne verbucht, alle Laufzeiten legten leicht zu./bek/tos

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---

22.09.2017

Aktien New York Schluss: Nordkorea-Krise sorgt für Kursstillstand

NEW YORK (dpa-AFX) - Das erneute Auflodern des Konflikts um Nordkorea hat die Wall Street am Freitag ausgebremst. Die großen Indizes traten auf der Stelle. Der Dow Jones Industrial schloss 0,04 Prozent niedriger auf 22 349,59 Punkte. Auf Wochensicht steht für den Index ein kleines Plus von 0,37 Prozent zu Buche. Anleger gingen vor dem Wochenende keine Risiken mehr ein und kauften stattdessen Staatsanleihen.

US-Präsident Donald Trump hat den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un als "Verrückten" bezeichnet. Dieser hatte Trump zuvor einen "dementen Greis" genannt. Sein Außenminister Ri Yong Ho signalisierte zudem, dass Nordkorea eine Wasserstoffbombe im Pazifik testen könnte. Nach den USA kündigte auch die Europäische Union neue Sanktionen gegen Pjöngjang an.

"Den jüngsten Krieg der Worte tun Aktienhändler nicht gerade mit einem Achselzucken ab", stellte der Analyst Mike van Dulken von Accendo Research fest. Miraji Othman von der BayernLB sprach von "erneuten martialischen Tönen aus Nordkorea". Der verbale Schlagabtausch und möglicherweise weitere Raketentests Nordkoreas dürften die Märkte auch in den kommenden Wochen beschäftigen.

Der marktbreite S&P-500-Index schloss 0,06 Prozent höher auf 2502,22 Punkte. Der technologielastige Nasdaq-100 gab um 0,04 Prozent nach auf 5932,32 Zähler./bek/tos

22.09.2017

Aktien New York: Wegen Nordkorea-Krise gehen Anleger keine Risiken mehr ein

NEW YORK (dpa-AFX) - Vor dem Wochenende haben sich Investoren an der Wall Street bedeckt gehalten. Die erneute Zuspitzung im Nordkorea-Konflikt sorgte am Freitag für allgemeine Zurückhaltung. Nach dem kleinen Rücksetzer vom Donnerstag gaben die großen Börsenindizes erneut etwas nach. Der Dow Jones Industrial handelte 0,13 Prozent niedriger auf 22 329,91 Punkte.

"Den jüngsten Krieg der Worte tun Aktienhändler nicht gerade mit einem Achselzucken ab", stellte der Analyst Mike van Dulken von Accendo Research mit Blick auf die Nordkorea-Krise fest. US-Präsident Donald Trump hat den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un als "Verrückten" bezeichnet. Kim Jong Un werde "geprüft wie niemals zuvor!", schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter.

Trump spielte damit offensichtlich auf die neuen Sanktionen gegen Nordkorea an, die er am Vortag verhängt hatte. Kim Jong Un hatte Trump daraufhin einen "dementen Greis" genannt. Sein Außenminister Ri Yong Ho signalisierte zudem, dass Nordkorea eine Wasserstoffbombe im Pazifik testen könnte.

Der marktbreite S&P-500-Index handelte 0,04 Prozent niedriger auf 2499,57 Punkte. Der technologielastige Nasdaq-100 gab um 0,18 Prozent nach auf 5924,228 Zähler.

Auch Frühindikatoren für die US-Konjunktur konnten nicht für Bewegung an den Börsen sorgen. Das Ergebnis einer Umfrage zur Stimmung unter Einkäufern in der Industrie im September deckte sich mit den Erwartungen. Das Pendant zur Stimmung in Unternehmen des Dienstleistungsgewerbes blieb hinter den Erwartungen zurück.

Apple-Aktien setzten den zu Anfang des Monats begonnenen Abwärtstrend fort. Das Papier verlor 1,34 Prozent, womit sich die Kursverluste seit dem Rekordhoch vom 1. September bei knapp 165 US-Dollar auf mehr als 8 Prozent summieren. Händler verwiesen hierfür auf sich mehrende Zweifel am Markt an einem durchschlagenden Erfolg der neuen iPhone-Modelle.

Daneben richten sich die Blicke erneut auf die Mobilfunker T-Mobile US und Sprint. Die am Dienstag bereits kräftig gestiegenen Papiere der Telekom-Tochter und von Sprint waren erneut gefragt. T-Mobile gewannen 0,76 Prozent und Sprint 4,86 Prozent. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, demzufolge beide Unternehmen bei den Verhandlungen um den Zusammenschluss zu einem Mobilfunkriesen auf dem US-Markt immer näher kommen. Eine Einigung könne kurz bevorstehen. Auch die Papiere von Verizon stiegen um knapp 2 Prozent.

Eine Entscheidung der Internationalen Handelskommission in den USA zu Billigimporten von Solaranlagen sorgte bei den Papieren des US-Herstellers First Solar für ein kräftiges Kursplus von 5,62 Prozent. Die Kommission war zum Ergebnis gekommen, dass Billigimporte der heimischen Solarindustrie schaden. Als Konsequenz daraus dürfte sie dem US-Präsidenten nun Strafzölle und Importquoten vorschlagen. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg dürfte das noch im November geschehen.

Boeing-Aktien legten leicht zu. Die Fluglinie Turkish Airlines will beim Flugzeugbauer im großen Stil Langstreckenjets kaufen. Der Deal soll 40 Exemplare des jüngsten Typs Boeing 787-9 "Dreamliner" umfassen.

Kräftige Kursgewinne gab es zudem bei zwei kleineren Werten. So sprangen die Papiere des Sportartikelhändlers The Finish Line um 6,40 Prozent nach oben, nachdem das Unternehmen sich optimistisch zum vierten Quartal geäußert hatte.

Papiere von CarMax, nach eigener Aussage mit 178 Autohäusern der größte Gebrauchtwagenhändler der USA, zogen um 7,80 Prozent an. Das Unternehmen berichtete von jüngst höheren Verkaufszahlen und -preisen - trotz der Schließung einiger Autohäuser für mehrere Wochen wegen des Hurrikan "Harvey"./bek/tos

22.09.2017

ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax vor Bundestagswahl kaum bewegt

FRANKFURT (dpa-AFX) - Angesichts des wieder hochgekochten Nordkorea-Konflikts ist dem Dax am Freitag die Kraft ausgegangen. Zudem warteten die Anleger auf die Bundestagswahl an diesem Wochenende. Der deutsche Leitindex schloss 0,06 Prozent tiefer bei 12 592,35 Punkten. Auf Wochensicht bedeutet dies ein Plus von 0,59 Prozent.

Bei den Nebenwerten sorgten am Freitag Kursgewinne bei Halbleiteraktien für etwas bessere Laune. Der Index der mittelgroßen Unternehmen MDax legte um 0,14 Prozent auf 25 619,06 Punkte zu. Der Technologiewerte-Index TecDax war zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit Anfang 2001 vorgerückt und stieg am Ende um 0,53 Prozent auf 2400,72 Zähler. Ein Rekordhoch erreichte der Index der gering kapitalisierten Werte SDax , der letztlich 0,30 Prozent gewann.

SILTRONIC ZIEHEN AN

Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Marktes blieb derweil mit Blick auf die Bundestagswahl positiv gestimmt: "Vielleicht sehen wir eine Wiederholung des Musters der vergangenen beiden Wochen - Kaufzurückhaltung vor dem Wochenende und dann ein Kurssprung zu Wochenbeginn, wenn alles gut gegangen ist."

Im TecDax ließen die Aktien des Herstellers von Halbleiter-Wafern Siltronic erstmals die Marke von 100 Euro hinter sich, nachdem Analysten die Geschäftsperspektiven gelobt hatten. Zum Handelsschluss ging es an der Index-Spitze um rund 6 Prozent nach oben.

WACKER CHEMIE AN DER MDAX-SPITZE

Von der guten Branchenstimmung profitierten im Dax auch die Papiere des Chipproduzenten Infineon , die um gut 1 Prozent stiegen. Für die Anteilsscheine des Siltronic-Großaktionärs Wacker Chemie ging es als bester Wert im MDax um knapp 3 Prozent nach oben.

Die Deutsche Telekom profitierte mit einem Plus von 0,78 Prozent von Spekulationen über Fortschritte bei den Gesprächen zwischen der US-Mobilfunktochter T-Mobile US und Sprint über einen Zusammenschluss.

EURO LEGT ZU

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 bewegte sich mit plus 0,05 Prozent auf 3541,42 Punkte kaum vom Fleck. Der Pariser Leitindex CAC-40 und der FTSE 100 in London hingegen schlossen deutlicher im Plus. In den USA stand der Wall-Street-Index Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss etwas tiefer.

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei 0,25 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,02 Prozent auf 141,07 Punkte. Der Bund-Future rückte um 0,11 Prozent auf 161,18 Punkte vor. Der Euro legte zu: Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1961 (Donnerstag: 1,1905) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8361 (0,8400) Euro./la/tos

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

22.09.2017

Aktien Frankfurt Schluss: Dax vor Bundestagswahl kaum bewegt

FRANKFURT (dpa-AFX) - Angesichts des wieder hochgekochten Nordkorea-Konflikts ist dem Dax am Freitag die Kraft ausgegangen. Zudem warteten die Anleger auf die Bundestagswahl an diesem Wochenende. Der deutsche Leitindex schloss 0,06 Prozent tiefer bei 12 592,35 Punkten. Auf Wochensicht bedeutet dies ein Plus von 0,59 Prozent.

Bei den Nebenwerten sorgten am Freitag Kursgewinne bei Halbleiteraktien für etwas bessere Laune. Der Index der mittelgroßen Unternehmen MDax etwa legte um 0,14 Prozent auf 25 619,06 Punkte zu. Der Technologiewerte-Index TecDax war zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit Anfang 2001 vorgerückt und stieg am Ende um 0,53 Prozent auf 2400,72 Zähler. Ein Rekordhoch erreichte der Index der gering kapitalisierten Werte SDax , der letztlich 0,30 Prozent gewann./la/tos

22.09.2017

ROUNDUP/Aktien New York: Nordkorea-Krise sorgt für Kursstillstand

NEW YORK (dpa-AFX) - Vor dem Wochenende scheinen Investoren an der Wall Street keine Risiken mehr eingehen zu wollen. Die erneute Zuspitzung im Nordkorea-Konflikt sorgte am Freitag im frühen Handel für Zurückhaltung. Nach dem kleinen Rücksetzer vom Donnerstag traten die großen Börsenindizes auf der Stelle. Der Dow Jones Industrial handelte 0,09 Prozent niedriger auf 22 338,39 Punkte. "Den jüngsten Krieg der Worte tun Aktienhändler nicht gerade mit einem Achselzucken ab", stellte der Analyst Mike van Dulken von Accendo Research mit Blick auf die Nordkorea-Krise fest.

US-Präsident Donald Trump hat den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un als "Verrückten" bezeichnet. Kim Jong Un werde "geprüft wie niemals zuvor!", schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter. Trump spielte damit offensichtlich auf die neuen Sanktionen gegen Nordkorea an, die er am Vortag verhängt hatte. Kim Jong Un hatte Trump daraufhin einen "dementen Greis" genannt. Sein Außenminister Ri Yong Ho signalisierte zudem, dass Nordkorea eine Wasserstoffbombe im Pazifik testen könnte.

Der marktbreite S&P-500-Index handelte 0,08 Prozent schwächer auf 2498,57 Punkte. Der technologielastige Nasdaq-100 gab um 0,18 Prozent nach auf 5924,26 Zähler.

Auch Frühindikatoren für die US-Konjunktur konnten bislang nicht für Bewegung an den Börsen sorgen. Das Ergebnis einer Umfrage zur Stimmung unter Einkäufern in der Industrie im September deckte sich mit den Erwartungen. Das Pendant zur Stimmung in Unternehmen des Dienstleistungsgewerbes blieb hinter den Erwartungen zurück.

Apple-Aktien setzten den zu Anfang des Monats begonnenen Abwärtstrend fort. Das Papier verlor 1,5 Prozent, womit sich die Kursverluste seit dem Rekordhoch vom 1. September bei knapp 165 US-Dollar auf mehr als 8 Prozent summieren. Händler verwiesen hierfür auf sich mehrende Zweifel am Markt an einem durchschlagenden Erfolg der neuen iPhone-Modelle.

Boeing-Aktien führten den Dow Jones Index mit einem Plus von 1,03 Prozent an. Die Fluglinie Turkish Airlines will beim Flugzeugbauer im großen Stil Langstreckenjets kaufen. Der Deal soll 40 Exemplare des jüngsten Typs Boeing 787-9 "Dreamliner" umfassen.

Daneben richten sich die Blicke erneut auf die Mobilfunker T-Mobile US und Sprint. Die am Dienstag bereits kräftig gestiegenen Papiere von der Telekom-Tochter und von Sprint waren erneut gefragt. T-Mobile gewannen 0,9 Prozent und Sprint 4,17 Prozent. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, demzufolge beide Unternehmen bei den Verhandlungen um den Zusammenschluss zu einem US-Mobilfunkriesen immer näher kommen. Eine Einigung könne kurz bevor stehen.

Kräftige Kursgewinne gab es zudem bei zwei kleineren Werten. So sprangen die Papiere des Sportartikelhändlers The Finish Line um 6,95 Prozent nach oben, nachdem das Unternehmen sich optimistisch zum vierten Quartal geäußert hatte.

Papiere von CarMax, nach eigener Aussage mit 178 Autohäusern der größte Gebrauchtwagenhändler der USA, zogen um 6,26 Prozent an. Das Unternehmen berichtete von jüngst höheren Verkaufszahlen und -preisen - trotz der Schließung einiger Autohäuser für mehrere Wochen wegen des Hurrikan "Harvey"./bek/tos

22.09.2017

Aktien New York: Nordkorea-Krise sorgt für Kursstillstand

NEW YORK (dpa-AFX) - Vor dem Wochenende scheinen Investoren an der Wall Street keine Risiken mehr eingehen zu wollen. Die erneute Zuspitzung im Nordkorea-Konflikt sorgte am Freitag im frühen Handel für Zurückhaltung. Nach dem kleinen Rücksetzer vom Donnerstag traten die großen Börsenindizes auf der Stelle. Der Dow Jones Industrial handelte prozentual unverändert mit 22 354,47 Punkten. "Den jüngsten Krieg der Worte tun Aktienhändler nicht gerade mit einem Achselzucken ab", stellte der Analyst Mike van Dulken von Accendo Research mit Blick auf die Nordkorea-Krise fest.

US-Präsident Donald Trump hat den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un als "Verrückten" bezeichnet. Kim Jong Un werde "geprüft wie niemals zuvor!", schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter. Trump spielte damit offensichtlich auf die neuen Sanktionen gegen Nordkorea an, die er am Vortag verhängt hatte. Kim Jong Un hatte Trump daraufhin einen "dementen Greis" genannt. Sein Außenminister Ri Yong Ho signalisierte zudem, dass Nordkorea eine Wasserstoffbombe im Pazifik testen könnte.

Der marktbreite S&P-500-Index handelte mit 0,02 Prozent minimal höher auf 2501,07 Punkte. Damit hielt sich das Börsenbarometer weiter über der runden Marke von 2500 Punkten. Der technologielastige Nasdaq-100 gab um 0,02 Prozent minimal nach auf 5935,85 Zähler./bek/tos

22.09.2017

WOCHENAUSBLICK: Wall Street treibt Dax weiter an - Wahlticker läuft nur nebenher

FRANKFURT (dpa-AFX) - Zu Beginn der neuen Woche blicken politisch interessierte Anleger voller Spannung nach Berlin. Erneut eine Große Koalition oder ein "Jamaika"-Bündnis aus Union, FDP und Grünen - das ist wohl am Montag die Frage aller Fragen. Am deutschen Aktienmarkt aber dürfte der Ausgang der Bundestagswahl kaum eine Rolle spielen, glauben Experten. Für sie ist so gut wie ausgemacht, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter für wirtschaftspolitische Stabilität und damit für steigende Kurse sorgen wird - unter welcher Farbkonstellation auch immer. Insofern könnte der hiesige Leitindex Dax weiter das Rekordhoch vom Juni bei gut 12 951 Punkten ins Visier nehmen.

HOFFNUNG AUF STEUERENTLASTUNGEN

Investoren sollten dennoch wachsam bleiben: Zwar haben politische Börsen in der Regel kurze Beine, aber temporär kann der Aktienmarkt mit Schwankungen auf die Stellungnahmen der Politiker zu möglichen Koalitionen reagieren.

Nach derzeitigem Stand jedoch sind die Anleger entspannt. Anders als im Falle der französischen oder US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen gibt es praktisch keine Gefahr, dass eine radikale Kraft in die Regierungsverantwortung kommt. So rechnet die Schweizer Großbank UBS mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent mit einer Fortsetzung der Kanzlerschaft Merkels. Laut Analyst Bert Jansen dürfte die Börse in diesem Fall wohl erst einmal kaum auf die Bundestagswahl reagieren. Bereits zuvor haben die Investoren mit dem Wahlgang die leise Hoffnung verbunden, dass Bürger und Unternehmen steuerlich entlastet werden, was die Wirtschaft ankurbeln könnte.

ZWEI RISIKEN BEI BUNDESTAGSWAHL

Dennoch sieht Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets zwei Risiken, denen sich Anleger vor der Wahl stellen sollten. So könnte einerseits ein starker Einbruch der SPD die Neuauflage der Großen Koalition verhindern, falls die Parteibasis der Sozialdemokraten dann den Weg in die Opposition befürwortet. Bei diesem Szenario gäbe es eine auch für die Börse schädliche Hängepartie, falls sich die potenziellen "Jamaika"-Koalitionäre nicht zusammenraufen sollten. Andererseits könnte die rechtspopulistische Partei AfD stark abschneiden. Diese würde die traditionellen Parteien eventuell dazu zwingen, ihrerseits europa- und damit aktienmarktfeindliche Töne anzuschlagen.

Wenn die Wahlnachlese dann aus Anlegersicht beendet ist, dürften sich die Börsianer bald wieder anderen Themen zuwenden. So könnte der Dax den Analysten der Commerzbank zufolge auch in der neuen Woche von den anhaltend steigenden Kursen an der oft tonangebenden Wall Street profitieren. Der US-Aktienmarkt klettert bereits seit Tagen von Rekordhoch zu Rekordhoch. Genährt wird er von der Hoffnung, dass die Krise zwischen den USA und Nordkorea mit diplomatischen Mitteln gelöst werden kann. Doch Zweifel daran sind angebracht: So drohte das asiatische Land jüngst, eine Wasserstoffbombe über dem Pazifik explodieren zu lassen.

ENTSCHEIDUNG ÜBER VERKAUF VON AIR BERLIN

Auch aus konjunktureller Sicht stehen die Ampeln an der Börse auf "Grün". "Die Weltwirtschaft wächst solide und unterstützt die Entwicklung an den Aktienmärkten", schrieb Analyst Michael Bissinger von der DZ Bank. Ob es hierzulande tatsächlich weiter rund läuft, könnte am Montagvormittag der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts erweisen. Der Ifo-Index gilt als eines der wichtigen Konjunkturbarometer der deutschen Wirtschaft.

Ebenfalls am ersten Tag der neuen Handelswoche entscheidet der Aufsichtsrat von Air Berlin über den Verkauf der insolventen Fluggesellschaft. Im Rennen um das Unternehmen hat die Lufthansa derzeit die Nase vorn.

DELIVERY HERO LIEFERT GESCHÄFTSZAHLEN

Ansonsten melden sich im Laufe der neuen Woche noch einige Unternehmen mit Geschäftszahlen zu Wort. Auf der Agenda steht am Dienstag der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero , bevor zur Wochenmitte der Autozulieferer Hella seine Bücher öffnet. Weiter geht es am Donnerstag mit dem Start-up-Entwickler Rocket Internet und der Hornbach Holding , der Dachgesellschaft des Baumarktbetreibers Hornbach Baumarkt ./la/bek/tos

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

22.09.2017

Aktien New York Ausblick: Nordkorea-Krise macht Anleger nach Rekorden vorsichtig

NEW YORK (dpa-AFX) - Die Anleger am US-Aktienmarkt dürften sich am Freitag angesichts des einmal mehr hochgekochten Nordkorea-Konflikts zurückhalten. Der Broker IG taxierte den Dow Jones Industrial rund eine Stunde vor dem Handelsbeginn 0,08 Prozent tiefer auf 22 342 Punkte. Damit würde sich der US-Leitindex aber weiterhin nahe seines am Vortag erreichten Rekordhochs bei 22 419 Punkten halten.

Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un hatte den US-Präsidenten Donald Trump einen "dementen Greis" genannt und mit dem Test einer Wasserstoffbombe über dem Pazifik gedroht. Er reagierte damit auf Trump, der Nordkorea die "vollständige Vernichtung" angedroht und US-Sanktionen verschärft hatte.

Für Impulse könnten kurz nach dem Auftakt noch Daten zur Stimmung in der Industrie und dem Dienstleistungssektor der USA sorgen.

Auf der Unternehmensseite richten sich die Blicke erneut auf die Mobilfunker T-Mobile US und Sprint. Die am Dienstag kräftig angesprungenen Papiere von der Telekom-Tochter und von Sprint dürften zum Wochenausklang erneut gefragt sein. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, demzufolge beide Unternehmen bei den Verhandlungen um den Zusammenschluss zu einem US-Mobilfunkriesen immer näher kommen. Eine Einigung könnte kurz bevor stehen.

Analyst Dhananjay Mirchandani von Bernstein Research hatte jüngst die "starke Logik" eines solchen Deals gelobt, winke dabei doch hohes Synergiepotenzial. Papiere von T-Mobile US kletterten vorbörslich rund anderthalb Prozent, Sprint zogen um über 3 Prozent an.

Die Papiere der chinesischen Handelsplattform Alibaba profitierten derweil zunächst nicht von zwei positiven Analystenkommentaren. Die Experten von Citic Securities und Cantor sprachen Empfehlungen aus und signalisierten Potenzial auf bis zu 225 US-Dollar - rund ein Viertel über dem aktuellen Kursniveau./mis/ag/jha/

22.09.2017

Aktien Frankfurt: Vorsicht wegen Nordkorea-Konflikt - TecDax trotzt Gesamtmarkt

FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt hat am Freitag angesichts des wieder hochgekochten Nordkorea-Konflikts Zurückhaltung das Bild geprägt. Zudem warten die Anleger auf die Bundestagswahl an diesem Wochenende. Eine überraschend aufgehellte Unternehmensstimmung in der Eurozone lieferte nur vorübergehend Rückenwind. Der Dax war am Nachmittag mit plus 0,03 Prozent auf 12 604,23 Punkte kaum verändert.

Damit zeichnet sich allerdings bereits die dritte Gewinnwoche in Folge für den deutschen Leitindex ab. Seit dem Zwischentief Ende August hat er um mehr als 6 Prozent zugelegt. Bis zu dem im Juni erreichten Rekordhoch bei 12 951 Punkten fehlen weniger als 3 Prozent.

Der Index der mittelgroßen Unternehmen MDax trat zum Wochenschluss bei 25 588,32 Punkten nahezu auf der Stelle, während der Technologiewerte-Index TecDax auf den höchsten Stand seit Anfang 2001 vorrückte. Zuletzt notierte der Index noch 0,54 Prozent im Plus bei 2401,11 Zählern. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte moderat zu.

NORDKOREA DROHT MIT NEUEM ATOMTEST

Nordkorea hatte mit der Drohung, eine Wasserstoffbombe über dem Pazifik explodieren zu lassen, den Atomstreit mit den USA weiter verschärft. Die Nordkorea-Krise war in den vergangenen Wochen immer wieder hochgekocht, nachhaltig hatte sie die Börsen bisher aber nicht belastet.

Mit Blick auf die Bundestagswahl am Sonntag liegen Angela Merkel und die Union derweil in Umfragen weit vorne. Völlig offen ist allerdings, mit welcher Koalition Merkel eine vierte Amtszeit antreten könnte. Neben einer Fortsetzung der großen Koalition mit der SPD dürfte auch ein "Jamaika"-Bündnis aus Union, FDP und Grünen rechnerisch möglich sein. Ob es für eine Koalition nur aus CDU/CSU und FDP reicht, bleibt ungewiss.

SILTRONIC ERSTMALS ÜBER 100 EURO

Auf der Unternehmensseite rückten vor allem Halbleiterwerte in den Fokus. Im TecDax ließen die Aktien des Herstellers von Halbleiter-Wafern Siltronic erstmals die Marke von 100 Euro hinter sich, nachdem Analysten die Geschäftsperspektiven gelobt hatten. Zuletzt ging es um mehr als 7 Prozent nach oben.

Von der guten Branchenstimmung profitierten im Dax auch die Papiere des Chipproduzenten Infineon , die um knapp 1 Prozent stiegen.

Für die Anteilsscheine des Siltronic-Großaktionärs Wacker Chemie ging es im MDax um fast 4 Prozent nach oben. Die Deutsche Telekom profitierte mit einem Plus von 1,2 Prozent laut Händlern von Spekulationen über Fortschritte bei den Gesprächen zwischen T-Mobile US und Sprint über einen Zusammenschluss.

LUFTHANSA BEI AIR BERLIN IN GUTER POSITION

Lufthansa-Papiere gewannen 0,33 Prozent. Dass die Fluggesellschaft beim Rennen um große Teile von Air Berlin wohl die Nase vorn hat, lieferte kaum Überraschungen. Anleger setzten schon länger auf einen lukrativen Teilkauf der insolventen Air Berlin.

Schlusslicht im Dax waren die Papiere der Deutschen Börse . Sie fielen um 2,47 Prozent, nachdem Analysten der französischen Bank Exane BNP Paribas vor zu hohen Erwartungen an die Geschäftsentwicklung gewarnt hatten. Zudem rückte die Insideraffäre um Konzernchef Carsten Kengeter einmal mehr in den Fokus.

EUROKURS STEIGT

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei 0,25 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,02 Prozent auf 141,07 Punkte. Der Bund-Future stieg um 0,02 Prozent auf 161,04 Punkte.

Der Euro erholte sich weiter von seinen Verlusten zur Wochenmitte und kostete zuletzt 1,1962 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Donnerstagnachmittag auf 1,1905 Dollar festgesetzt./mis/jha/

24.09.2017

ROUNDUP: Agrarminister wollen Totalreform von EU-Ökoverordnung kippen

HANNOVER (dpa-AFX) - Die Agrarminister der Länder wollen auf ihrer Konferenz in Lüneburg (27.-29. September) auf einen Abbruch der Verhandlungen über eine umstrittene Reform der EU-Ökoverordnung drängen. "Der endlose Verhandlungsprozess verunsichert die Bio-Bauern seit Jahren und verhindert Investitionen", kritisierte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer. "Wir wollen keine Aufweichung der bisherigen Standards und lehnen daher eine Totalrevision ab", sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Niedersachsen hat dieses Jahr turnusgemäß den Vorsitz bei der Agrarministerkonferenz, bei der diesmal insgesamt 58 Tagungspunkte anstehen.

Die EU-Verordnung soll von 2020 an einheitlichere Standards für Anbau und Importe von Bioprodukten vorgeben. Seit Ende Juni liegt ein mühsam ausgehandelter Kompromiss auf Eis, da Deutschland wegen befürchteter Nachteile für die heimische Ökobranche Nachverhandlungen forderte. Auf Kritik stoßen dort Vorgaben für Ökolandwirte bei Verunreinigungen ihrer Produkte durch Pflanzenschutzmittel. Die Chemikalien dürfen Biobauern selbst nicht einsetzen. Spuren der Mittel könnten aber von konventionellen Feldern über die Luft in Ökoprodukten landen. Umstritten sind Nachweispflichten und Kontrollen.

Die positive Entwicklung bei der Umstellung auf Ökolandbau würde wegen der Risiken für die Landwirte und mangelnder Planungs- und Rechtssicherheit ausgebremst, kritisierte Meyer, der einen deutlich erhöhten Bürokratieaufwand und höhere Verwaltungskosten befürchtet. Er setzt sich eher für eine strengere Überwachung von Bio-Produkten aus EU-Drittländern ein. Nach Angaben des Ministers lag Niedersachsen im Vorjahr nach jahrelanger Stagnation mit einem 20-prozentigen Flächen-Wachstum beim Bio-Anbau weit über dem Bundesdurchschnitt.

In Deutschland setzen insgesamt mehr Bauern auf Bioprodukte. Die Ökoanbaufläche stieg 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 14,9 Prozent auf 1,25 Millionen Hektar - 7,5 Prozent aller deutschen Ackerflächen wurden damit ökologisch bewirtschaftet. Im Vorjahr betrug der Anteil noch 6,5 Prozent, zur Jahrtausendwende 3,2 Prozent. Die Bundesregierung hat sich 20 Prozent zum Ziel gesetzt./rek/DP/zb

24.09.2017

Agrarminister wollen Totalreform von EU-Ökoverordnung kippen

HANNOVER (dpa-AFX) - Eine umstrittene Reform der EU-Ökoverordnung wollen die Agrarminister der Bundesländer auf ihrer Konferenz in Lüneburg (27.-29. September) kippen. Das sagte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. "Der endlose Verhandlungsprozess verunsichert die Bio-Bauern seit Jahren und verhindert Investitionen", kritisierte er und betonte: "Wir wollen keine Aufweichung der bisherigen Standards und lehnen daher eine Totalrevision ab."

Niedersachsen hat turnusgemäß den Vorsitz bei der Konferenz, bei der diesmal 58 Tagungspunkte anstehen. Die Minister wollen die Bundesregierung auffordern, die Verhandlungen nicht fortzuführen. Die EU-Verordnung soll von 2020 an einheitlichere Standards für Anbau und Importe von Bioprodukten vorgeben./rek/DP/zb

24.09.2017

Schweizer stimmen über Rentenreform ab

BERN (dpa-AFX) - Die Schweizer entscheiden an diesem Sonntag bei einer Volksabstimmung über eine Reform der Rentenkasse. Unter anderem soll das Rentenalter der Frauen von 64 auf 65 Jahre steigen. Die Mehrwertsteuer soll zugunsten der Rentenkasse (AHV) steigen und die Lohnbeträge sollen angehoben werden.

Die Befürworter lagen in Umfragen lange knapp vorn, aber das Nein-Lager hatte zuletzt zugelegt. Nach den letzten Umfragen dürfte das Ergebnis äußerst knapp ausfallen. Unter anderem lehnt die stärkste Partei, die konservative SVP, die Reform ab. Die Sanierung gehe nicht weit genug, argumentierte sie. Vor allem kritisierte sie, dass die Rente für die längsten Beitragszahler erhöht werden soll. Es geht um eine Anhebung um 70 Franken (rund 60 Euro).

Stimmberechtigt sind rund fünf Millionen Menschen. Bis zu 90 Prozent der Schweizer stimmen in der Regel per Briefwahl ab. Die Wahlbeteiligung liegt meist um die 50 Prozent. Das Ergebnis dürfte am Nachmittag vorliegen./oe/DP/zb

24.09.2017

Trump nennt Kim erneut 'Raketenmann'

NEW YORK (dpa-AFX) - US-Präsident Donald Trump hat Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un erneut als "Raketenmann" bezeichnet. "Ich habe gerade den Außenminister von Nordkorea bei der UN sprechen hören. Wenn er die Gedanken des kleinen Raketenmannes wiederholt, werden sie nicht mehr lange hier sein!", schrieb Trump am Samstagabend (Ortszeit) im Kurznachrichtendienst Twitter. Er hatte Kim bereits am Dienstag bei seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen als "Raketenmann auf einer selbstmörderischen Mission" bezeichnet.

Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho hatte in seiner Rede bei der UN-Generaldebatte am Samstag in New York gesagt, der Besuch nordkoreanischer Raketen "im gesamten US-Festland" sei "unvermeidlich geworden". Sein Land werde "erbarmungslose, präventive Schritte" ergreifen, wenn die USA versuchten, das Hauptquartier in Pjöngjang oder das Militär Nordkoreas zu "köpfen"./gma/DP/zb

24.09.2017

Nach Raketentest des Iran: Trump stellt Atomabkommen erneut infrage

TEHERAN (dpa-AFX) - Nach dem iranischen Test einer Mittelstreckenrakete hat US-Präsident Donald Trump das Atomabkommen mit der Islamischen Republik erneut infrage gestellt. "Der Iran hat gerade eine ballistische Rakete getestet, die in der Lage ist, Israel zu erreichen. Sie arbeiten auch mit Nordkorea zusammen. Mit unserem Abkommen ist es nicht weit her!", sagte Trump am Samstag (Ortszeit) bei Twitter.

Ungeachtet amerikanischer Drohungen hatte der Iran nach eigenen Angaben eine Rakete mit 2000 Kilometern Reichweite getestet. Der Flugkörper des neuen Typs Choramschahr kann nach iranischen Medienangaben mehrere Sprengköpfe tragen und damit mehrere Ziele gleichzeitig angreifen. Die Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte am Samstag auch ein Video von dem Test, der erfolgreich verlaufen sein soll. Aus Israel kam scharfe Kritik, auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel äußerte sich skeptisch.

Als "Provokation" und "Herausforderung der USA und ihrer Verbündeten" bezeichnete Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman den Raketentest. Iranische Mittelstreckenraketen können mit ihrer Reichweite jeden Ort in Israel treffen.

US-Präsident Donald Trump hatte in der Generaldebatte der Vereinten Nationen den Iran als "wirtschaftlich ausgelaugten Schurkenstaat" bezeichnet, der Gewalt exportiere, und mit dem Ende des 2015 geschlossenen Atomabkommens mit der Islamischen Republik gedroht.

Der iranische Führer Ajatollah Ali Chamenei hatte Trumps Rede als "billig, hässlich, dumm und unwahr" zurückgewiesen. Präsident Hassan Ruhani hatte am Freitag bei einer Militärparade in Teheran erklärt, dass der Iran trotz der Kritik aus den USA sein Raketenprogramm fortsetzen wolle.

Alle Beteiligten des Atomabkommens - auch die USA - bescheinigen dem Iran bisher, das Abkommen einzuhalten, mit dem Teheran auf die Entwicklung von Kernwaffen verzichtet. Trump wertet das Abkommen aber als das schlechteste, das die USA je geschlossen hätten. Mit der Begründung der iranischen Raketentests hat Washington einseitig Sanktionen gegen iranische Geschäftsleute und Institutionen verhängt, die nicht vom UN-Sicherheitsrat mitgetragen werden. Das Vorgehen der USA wird auch in Nordkorea aufmerksam beobachtet, das mit seinem Atomwaffenprogramm ebenfalls Washingtons Zorn erregt.

Außenminister Gabriel kritisierte den iranischen Raketentest, verteidigte aber zugleich das Atomabkommen mit Teheran. Der Test einer Mittelstreckenrakete sei, sollten entsprechende Berichte zutreffen, "keine kluge Aktion" gewesen, sagte Gabriel am Samstag in Wolfenbüttel.

Teheran betont, dass sein Militär- und Raketenprogramm lediglich der Verteidigung diene und keine anderen Länder bedrohe. Außerdem seien die Raketen so konstruiert, dass sie keine Atomsprengköpfe tragen könnten. Sein Programm zur Entwicklung von Kernwaffen habe der Iran im Rahmen des internationalen Atomabkommens eingestellt; das betreffe das Raketenprogramm nicht. Regierungssprecher Mohamed-Bagher Nobacht erklärte, der Teststart der Choramschahr sei für die Verteidigung des Landes unbedingt nötig.

Mit der Choramschar verfüge die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) laut der IRGC-nahen Nachrichtenagentur Tasnim nun über sieben Raketen, mit denen sie "im Notfall" Israel treffen könnten. Dafür würde von bestimmten Gegenden des Irans schon eine Reichweite von 1100 Kilometern ausreichen. Mit der Choramschar sei der Iran in der Lage, Israel aus allen Landesteilen zu treffen, "falls das zionistische Regime seinerseits einen Angriff wagen würde".

Nach Angaben der US-Geheimdienste verfügt der Iran über drei weitere Raketen mit einer Reichweite von bis zu 2000 Kilometern: die Schahab 3, die Sedschil und die Emad-1. Dabei soll die Emad-1 die erste Rakete dieser Reichweite sein, die keiner ballistischen Flugbahn folgt, sondern den ganzen Flug über gelenkt werden kann. All diese Raketen können von mobilen Rampen aus abgefeuert werden. Teherans sunnitischer Erbfeind Saudi-Arabien verfügt mit der CSS-2 über eine Rakete chinesischer Bauart mit einer Reichweite von 3000 Kilometern./str/fm/DP/zb

23.09.2017

ROUNDUP: Zehntausende protestieren in Paris gegen Macrons Reform

PARIS (dpa-AFX) - In Paris haben Zehntausende Menschen gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform von Staatspräsident Emmanuel Macron protestiert. Das berichteten der Nachrichtensender BFMTV und andere französische Medien, die Polizei nahm zu Zahlen zunächst keine Stellung. Der Linksaußenpolitiker Jean-Luc Mélenchon, der zu der Demonstration aufgerufen hatte, sprach von einem Erfolg. "Die Schlacht ist nicht vorbei, sie beginnt", rief er vor der Menschenmenge an der Place de la République im Osten der Hauptstadt.

Die Regierung veröffentlichte am Samstag die Verordnungen für die Reform und setzte sie damit in Kraft. Macron hatte die Texte am Freitag unterzeichnet. Erste Reform-Bausteine wie die Regelung zur Heimarbeit sind nach den Worten des Staatschefs sofort anwendbar, bei anderen könne dies noch bis zum Jahreswechsel dauern.

Die Lockerung des Arbeitsrechts ist Macrons erste große Reform. Im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit von rund zehn Prozent wird die Rolle von Branchen- und Betriebsvereinbarungen gestärkt, der Kündigungsschutz wird teilweise gelockert. Weltkonzerne können Kündigungen aussprechen, wenn sie Schwierigkeiten in Frankreich - und nicht in der gesamten Gruppe - haben. Entschädigungen für ungerechtfertigte Kündigungen werden begrenzt. Am Donnerstag hatten in ganz Frankreich bereits mindestens 132 000 Menschen gegen die Reform protestiert.

Mélenchon brachte ein gemeinsames Vorgehen mit den Gewerkschaften ins Spiel. Der Chef der Abgeordneten der Links-Partei La France Insoumise (Das ununterdrückte Frankreich) in der Nationalversammlung sprach in diesem Zusammenhang von "einer Million (Menschen) auf den Champs-Élysées." Die Verordnungen müssen zu einem späteren Termin noch vom Parlament gebilligt werden - in der Nationalversammlung hat Macrons Partei die Mehrheit.

Für diesen Montag haben die Gewerkschaften CGT und Force Ouvrière (FO) Lastwagenfahrer zu Aktionen aufgerufen. Die Regierung signalisierte bereits, dass sie nicht nachgeben will./cb/DP/zb

23.09.2017

ROUNDUP: Konflikt um Katalonien spitzt sich zu - Streit um Polizei

MADRID/BARCELONA (dpa-AFX) - Der Separatisten-Konflikt in Katalonien hat sich acht Tage vor einer umstrittenen Abstimmung über die Loslösung der Region von Spanien weiter zugespitzt. Die Madrider Zentralregierung gab am Samstag die Übernahme der Kontrolle über die katalanische Polizei bekannt. Der katalanische Innenminister Joaquim Forn entgegnete in Barcelona, die Regional-Polizei Mossos d'Esquadra werde die Entscheidung nicht akzeptieren.

Mit zahlreichen Aktionen versuchen Madrid und die spanische Justiz die von der Regionalregierung in Barcelona für den 1. Oktober ausgerufene, vom Verfassungsgericht aber verbotene Abstimmung zu verhindern. Bei Dutzenden von Razzien nahm die Guardia Civil in den vergangenen Tagen 14 separatistische Politiker und Beamte fest. Außerdem wurden knapp zehn Millionen Wahlzettel und rund 1,5 Millionen Wahlplakate beschlagnahmt. Zehntausende Katalanen gingen aus Protest gegen diese Aktionen auf die Straßen.

Bei der Zusammenarbeit mit der Guardia Civil war der katalanischen Polizei "mangelndes Engagement" vorgeworfen worden. Die Mossos d'Esquadra sind nun nach Angaben des Madrider Innenministeriums ab sofort der paramilitärischen Polizeieinheit Guardia Civil unterstellt. Die Gründe für die Entscheidung wurden nicht bekannt.

Die Mossos d'Esquadra reagierten unterdessen auf Twitter mit folgenden Zeilen: "Wir werden weiter wie bisher arbeiten. Wir werden unsere Befugnisse ausüben, um die Sicherheit und die öffentliche Ordnung zu gewährleisten und dem Bürger zu dienen."

Madrid kündigte derweil die Entsendung weiterer Einheiten der Nationalpolizei und der Guardia Civil nach Katalonien im Nordosten des Landes an. Ministerpräsident Mariano Rajoy wiederholte am Samstag auf einem Regionaltreffen seiner konservativen Volkspartei (PP) in Palma de Mallorca: "Das Referendum wird nicht stattfinden."

Vor dem Hotel, in dem das PP-Treffen stattfand, versammelten sich am Samstagnachmittag Hunderte von Menschen, um für das "Selbstbestimmungsrecht der Katalanen" zu demonstrieren. An der Kundgebung nahmen zahlreiche Politiker linker Parteien teil. Sie kritisierten die "zunehmend repressiven Maßnahmen" der Zentralregierung gegen die katalanischen Separatisten.

Ungeachtet aller Widerstände hält die Regionalregierung von Carles Puigdemont an der Abhaltung des Referendums fest. Die Wahllokale würden am 1. Oktober überall in Katalonien öffnen, versicherte deren Bildungsministerin Clara Ponsatí. "Die Urnen werden da sein. Die Menschen werden sie in der Nähe ihrer Wohnungen finden", sagte sie./er/DP/zb

23.09.2017

POLITIK: Gabriel nennt Mays Brexit-Rede enttäuschend

WOLFENBÜTTEL (dpa-AFX) - Außenminister Sigmar Gabriel hat die britische Premierministerin Theresa May aufgefordert, endlich Klarheit über die Bedingungen des EU-Austritts zu schaffen. Die Rede Mays am Freitag in Florenz sei "enttäuschend" gewesen, sagte Gabriel am Samstag in Wolfenbüttel. "Langsam läuft uns die Zeit weg". Er bezifferte die finanziellen Forderungen der EU an Großbritannien wie andere EU-Politiker zuvor auf 60 bis 100 Milliarden Euro.

Über mögliche Übergangsfristen, wie sie May in Florenz vorgeschlagen hat, kann nach Gabriels Ansicht erst dann geredet werden, wenn neben der Schlussrechnung auch die Rechte der EU-Bürger in Großbritannien und die künftige Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland geklärt seien. "Die britische Regierung verweigert bislang jede Aussage, und das ist bitter."

Gabriel sagte, er habe die Sorge, dass Machtspiele innerhalb der britischen Konservativen eine Lösung verhinderten. Er hoffe darauf, dass Großbritannien im europäischen Binnenmarkt bleiben könne. Voraussetzung dafür sei aber die Anerkennung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) und der Arbeitnehmer-Freizügigkeit. Dies lehnt London bisher ab./tl/DP/zb

23.09.2017

Gabriel kritisiert Irans Raketentest - und verteidigt Atomabkommen

WOLFENBÜTTEL (dpa-AFX) - Außenminister Sigmar Gabriel hat den mutmaßlichen iranischen Raketentest kritisiert, zugleich aber das Atomabkommen mit Teheran verteidigt. Der Test einer Mittelstreckenrakete sei, sollten entsprechende Berichte zutreffen, "keine kluge Aktion" gewesen, sagte Gabriel am Samstag in Wolfenbüttel. "Wir brauchen Entspannung und nicht gegenseitiges Aufhetzen", betonte der SPD-Politiker.

Ungeachtet amerikanischer Drohungen hat der Iran nach eigenen Angaben eine Mittelstreckenrakete mit 2000 Kilometern Reichweite getestet. Die Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte am Samstag ein Video von dem Test, der erfolgreich verlaufen sein soll.

Gabriel sagte, Deutschland und Europa seien weiter dafür, das von US-Präsident Donald Trump abgelehnte Nuklearabkommen aufrecht zu erhalten. Der Iran halte sich bislang strikt an die Verpflichtungen aus dem Vertrag. Der Raketentest verstoße allerdings gegen eine andere Resolution des UN-Sicherheitsrats.

Genau wie die USA sei auch Deutschland völlig unzufrieden mit der Rolle Irans im Nahen Osten. "Aber es wird nicht besser, wenn der Iran auch noch eine Atombombe entwickelt."

Es wäre auch ein schlechtes Beispiel für Nordkorea, das Abkommen mit Teheran zu kündigen. "Warum sollten die Nordkoreaner dann an den Verhandlungstisch kommen?" Gegenüber Nordkorea müsse einerseits der wirtschaftliche Druck erhöht, andererseits müssten diplomatische Gesprächskanäle genutzt werden. "Nordkorea ist eine wirkliche Gefahr nicht nur für die Region, sondern wenn das Schule macht, dann werden viele andere Länder der Welt auch beginnen, sich Atomwaffen zu beschaffen."/tl/DP/zb

23.09.2017

USA fordern 'erhebliche Veränderungen' an Nafta-Abkommen

OTTAWA (dpa-AFX) - Zum Auftakt der dritten Runde in Neuverhandlungen über das nordamerikanische Freihandelsabkommens Nafta haben die USA gefordert, die Vereinbarung mit Kanada und Mexiko in wesentlichen Teilen zu überarbeiten. "Die USA verpflichten sich weiter, erhebliche Veränderungen an Nafta voranzutreiben und auszuhandeln", sagte US-Unterhändler John Melle dem "Wall Street Journal" am Samstag.

Bei der dritten Verhandlungsrunde im kanadischen Ottawa, die noch bis Mittwoch läuft, könnten bereits erste Teilergebnisse verkündet werden. Der Vertrag über das größte Freihandelsabkommen der Welt mit einem gemeinsamen Binnenmarkt aus 460 Millionen Menschen wird auf Druck von US-Präsident Donald Trump neu diskutiert. Trump sieht die Amerikaner im Nachteil und stößt sich vor allem am Defizit im Handel mit Mexiko. Nafta trat Anfang 1994 in Kraft.

"Wir legen zum jetzigen Zeitpunkt den gesamten Text (des Abkommens) auf den Tisch", sagte der kanadische Chef-Unterhändler Steve Verheul dem "Wall Street Journal" zufolge, als er sich am Samstag auf den Weg in die Verhandlungen machte. Die erste Verhandlungsrunde hatte in Washington, die zweite in Mexiko-Stadt stattgefunden./jot/DP/zb

22.09.2017

Facebook-Chef Zuckerberg lenkt in Streit mit Investoren ein

MENLO PARK (dpa-AFX) - Facebook -Chef Mark Zuckerberg hat nach Widerstand von Investoren Pläne für eine neue Aktienstruktur zur Sicherung seines Einflusses im Konzern aufgegeben. Die Einführung einer

zusätzlichen Anteilsklasse ohne Stimmrechte sei abgeblasen worden,

teilte der Unternehmer am Freitag mit.

Zuckerberg hatte eigentlich sicherstellen wollen, dass er trotz massiver Aktienverkäufe nicht die Kontrolle über das Online-Netzwerk verliert. Er und seine Frau Priscilla Chan haben angekündigt, im Laufe ihres Lebens fast ihre

gesamte Facebook-Beteiligung für wohltätige Zwecke zu spenden.

Anleger hatten gegen die Abspaltung einer stimmrechtslosen

Aktienkategorie geklagt. Laut Zuckerberg ist das für seinen

Machterhalt nun ohnehin nicht mehr nötig. Dank der guten

Kursentwicklung sei er inzwischen so reich, dass er sein

philanthropisches Engagement finanzieren und zugleich in den nächsten

zwanzig Jahren die Kontrolle bei Facebook behalten könne.

Am Versprechen, im Laufe seines Lebens 99 Prozent seiner Aktien zu

spenden, ändert sich laut Zuckerberg indes nichts. Im Gegenteil: Bereits in den

nächsten 18 Monaten will er weitere Anteile in Milliardenwert

abstoßen, um mit dem Erlös etwa Bildung und Wissenschaft zu fördern./hbr/tos

22.09.2017

AKTIEN-FLASH: SMA nach US-Entscheidung zu Strafzöllen stabil, First Solar steigt

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Aktien des Hessener Solarindustriezulieferers SMA Solar sind am Freitag nach einem Fazit der US-Handelskommission über Solarimporte nicht weiter in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Kommission war nach längerer Überprüfung wie erwartet zu dem Ergebnis gekommen, dass Billigimporte der heimischen Solarindustrie schaden würden. Als Konsequenz werden dem US-Präsidenten nun Strafzölle sowie Importquoten vorgeschlagen. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg dürfte das noch im November geschehen.

Nachdem der Kurs von SMA Solar bereits in den ersten beiden Wochen im September um fast 20 Prozent eingebrochen war, blieb ein weiterer Rücksetzer nun weitgehend aus. Im späten Handel auf Tradegate lag die Aktie mit 1,13 Prozent sogar im Plus und konnte die Verluste der ersten Septemberhälfte damit ein wenig reduzieren. Das Problem bleibt dennoch bestehen: Im für SMA wichtigsten Absatzmarkt, den USA, könnten nun die Preise für Solaranlagen steigen. Das könnte die Nachfrage insgesamt drosseln, was wiederum auch den Absatz von Wechselrichtern belasten könnte.

Die Entscheidung der Kommission träfe auch chinesische Solar-Hersteller, deren Aktien ebenfalls ins Taumeln gerieten. So verlor JA Solar Holdings 5,3 Prozent und JinkoSolar 1,5 Prozent. Papiere von Solar Inc, einer kanadischen Firma, die hauptsächlich in China produzieren lässt, rutschten ebenfalls um 2,4 Prozent ab. Für den US-Hersteller First Solar ging es indes um zeitweilig bis zu 8,7 Prozent nach oben. Das Unternehmen aus Arizona verwendet eine Solartechnologie, die nicht von den Strafzöllen betroffen wäre./kro/bek/tos

22.09.2017

AKTIE IM FOKUS 2: Siltronic knacken 100-Euro-Marke - Analysten loben Geschäfte

(neu: Schlusskurse, Warburg)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Zahlreiche positive Analystenkommentare nach dem Kapitalmarkttag von Siltronic haben der Rekordrally der Aktien des Halbleiterunternehmens am Freitag zusätzlichen Schwung verliehen. Die Papiere waren erstmals über die Marke von 100 Euro gesprungen und hatten gegen Mittag eine Bestmarke bei 107,60 Euro erreicht. Zum Handelsschluss führten sie den freundlichen TecDax mit einem Plus von noch rund 6 Prozent auf 102,85 Euro an.

Die Aktien der ehemaligen Siltronic-Mutter Wacker Chemie , die noch mit rund 31 Prozent beteiligt ist, zogen an der Spitze des MDax der mittelgroßen Werte um knapp 3 Prozent an. Die Anteilsscheine profitierten dabei auch von einem positiven Analystenkommentar. Die finanziellen Auswirkungen durch den Unfall in der Polysiliziumfabrik in Tennessee dürften sich auf den Selbstbehalt in Höhe von geschätzt 5 Millionen Euro beschränken, schrieb der Experte Oliver Schwarz von Warburg Research.

Eine hohe Nachfrage bei vergleichsweise geringen Branchen-Kapazitäten kommt Siltronic schon eine Weile zugute. Auf Sicht von zwölf Monaten liegen sie mit einem Plus von fast 350 Prozent an der Spitze des Technologiewerte-Index TecDax. Dabei ging es allein im bisherigen Jahresverlauf um rund 134 Prozent nach oben.

ANALYSTEN LOBEN PREISENTWICKLUNG UND INVESTITIONSDISZIPLIN

Am Donnerstag hatte Siltronic-Chef Christoph von Plotho während des Kapitalmarkttages abermals auf das Wachstums- und Gewinnpotenzial des Konzerns sowie die Fortschritte bei den Kosteneinsparungen hingewiesen. Analyst Martin Jungfleisch vom Investmenthaus Kepler Cheuvreux bezeichnete die Veranstaltung als "sehr überzeugend". Siltronic dürfte weiterhin von einer konstanten Nachfrage nach Halbleiter-Wafern und vermutlich weiter steigenden Preisen profitieren. Der Experte hob sein Kursziel auf 121 Euro an und bestätigte seine Kaufempfehlung.

Analysten wie Jürgen Wagner vom Investmenthaus Mainfirst hoben zudem die Disziplin bei den Investitionen hervor. So richtet Siltronic den Fokus nach eigenen Angaben auf Kostensenkungen sowie Effizienzsteigerungen. Zudem will das Unternehmen mit dem Halbleitermarkt mitwachsen, ohne dass es zu Überkapazitäten kommt. Ist das Angebot im Vergleich zur Nachfrage zu hoch, kann das den Konkurrenzkampf vergrößern und zu sinkenden Absatzpreisen führen. Derartige Überkapazitäten hatten den Halbleitermarkt vor dessen aktuellen Aufschwung jahrelang belastet.

CITIGROUP HEBT AUF 'KAUFEN'

Neben der Investitionsdisziplin verwies auch Mainfirst-Experte Wagner auf steigende Absatzpreise. Er hob seine Gewinnschätzungen für Siltronic deutlich an und erhöhte das Kursziel auf 125 Euro. Analyst Achal Sultania von der Schweizer Bank Credit Suisse brachte ähnliche Argumente vor und hob sein Kursziel auf 120 Euro an.

Amit Harchandani von der Citigroup sieht mittelfristig bis zu seinem neuen Kursziel von 115 Euro zwar nicht ganz so viel Luft nach oben, stufte die Aktien angesichts ihres Potenzials aber auf "Kaufen" hoch./mis/jkr/jha/la/tos

22.09.2017

ANALYSE: Oddo BHF setzt große Hoffnungen in Schuppenflechte-Mittel von Morphosys

FRANKFURT (dpa-AFX) - Von einem möglichen neuen Blockbuster spricht Igor Kim und meint damit das Schuppenflechte-Mittel Tremfya. Das Medikament basiert auf dem Antikörper Guselkumab - es wäre der erste Wirkstoff aus dem Hause Morphosys , der dem Unternehmen einen jährlichen Umsatz von über einer Milliarde Euro einbringen könnte. In seiner Prognose legt Kim aber sogar noch einen drauf: "Derzeit sehen wir die Erlöse in der Spitze bei 1,9 Milliarden Euro", wie es in seiner Studie vom Freitag heißt. Und das, so der Analyst, sei noch eine konservative Schätzung.

Das Biotech-Unternehmen aus der Münchener Gemeinde Planegg hatte in den vergangenen Tagen gleich mehrfach mit positiven Meldungen rund um Tremfya aufgewartet. So hatte der Lizenznehmer Janssen, der zum US-Pharmakonzern Johnson & Johnson gehört, zwei neue klinische Phase 3-Studien mit dem Mittel gestartet und Morphosys dafür eine Meilensteinzahlung zugesprochen. Wenn auch nichts über Höhe bekanntgegeben wurde, dürfte es sich nach Einschätzung von Kim um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln.

Daneben hatte Janssen Anfang der Woche eine Empfehlung zur Marktzulassung vom europäischen Arzneimittelausschuss CHMP erhalten. Erst im Juli hatte das Medikament in den USA die Zulassung erhalten. Da es normalerweise 67 Tage dauere, bis die Europäische Kommission in solchen Fragen eine finale Entscheidung trifft, rechnet Kim mit einer Freigabe bis Ende November. "Nach unserer Schätzung könnte das Mittel dann noch vor Ende des Jahres in Europa eingeführt werden", schreibt der Analyst und bezieht sich dabei auf den Launch in Amerika, der nur zwei Wochen nach der dortigen Zulassung erfolgte.

Angesichts des positiven Nachrichtenflusses erhöhte Kim das Kursziel der Morphosys-Aktie von 76 auf 81 Euro und beließ die Einstufung auf "Buy". Kim rechnet also auf Sicht von zwölf Monaten damit, dass sich das Papier besser als der Branchendurchschnitt entwickelt. Dank der Einschätzung konnte die Aktie ihren Aufwärtstrend am Freitag fortsetzen. In der Spitze war der Kurs bei 71,97 Euro auf den höchsten Stand seit gut zwei Jahren gestiegen. Zum Handelsschluss sicherten sie die Papiere mit einem Plus von 1,95 Prozent auf 71,00 Euro den dritten Platz im freundlichen TecDax ./kro/la/tos

22.09.2017

AKTIEN-FLASH: Apple fallen auf tiefsten Kurs seit sieben Wochen

FRANKFURT (dpa-AFX) - Aktien von Apple haben die jüngsten Kursverluste am letzten Börsentag der Woche noch ausgeweitet. Mit einem Minus von 1,7 Prozent waren die Papiere der zweitschwächste Titel im Dow Jones Index hinter denen von UnitedHealth. Ein Händler sprach von sich mehrenden Zweifeln an einem durchschlagenden Erfolg der neuen iPhone-Modelle 8 und X. "Es gibt keine harten Fakten, eher Spekulationen und vereinzelte Analystenzitate in Medien, die unter dem Strich einen negativen Tenor haben", sagte der Händler.

Am Mittwoch hatte der Kommentar eines Analysten des US-Brokers Rosenblatt Securities den Apple-Kurs belastet. Dem Experten zufolge dürften die Vorbestellungen für das iPhone 8 hinter denen der Vorgängermodelle 7 und 6 zurückgeblieben sein. Der Analyst hatte sich auf eigene Umfragen berufen. Apple hatte zudem am Mittwoch kurz vor der Markteinführung seiner ersten Uhr mit LTE-Anschluss Probleme bei der Mobilfunk-Anbindung eingeräumt.

Vom Rekordhoch der schillernden Aktie vom 1. September hat der Kurs mittlerweile mehr als 8 Prozent eingebüßt und ist im am Freitag im Tagestief von 150,56 US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit Anfang August gefallen. Die Einbußen wurden von überdurchschnittlichen Börsenumsätzen begleitet.

Sollten sich die Kursverluste fortsetzen, könnte die gleitende 200-Tage-Linie zu einer wichtige Unterstützung für die Aktie werden. Diese Linie gilt als wichtiger Indikator für langfristige Trends und verläuft aktuell bei 142,27 US-Dollar./bek/tos

22.09.2017

ANALYSE-FLASH: Oddo BHF hebt Ziel für Morphosys auf 81 Euro - 'Buy'

FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Die Investmentbank Oddo BHF hat das Kursziel für Morphosys anlässlich der Neuigkeiten zum Antikörper Tremfya von 76 auf 81 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Tremfya habe in der bereits zugelassenen Schuppenflechte-Therapie enormes Umsatzpotenzial, schrieb Analyst Igor Kim in einer Studie vom Freitag. Eine mögliche Ausweitung auf Psoriasis-Arthritis biete zusätzliche Chancen./ag/ajx

Datum der Analyse: 22.09.2017

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22.09.2017

TECDAX-FLASH: TecDax erklimmt Hoch seit Anfang 2001 - United Internet gefragt

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Technologiewerte-Index TecDax hat seinen guten Lauf am Freitag mit dem Sprung auf ein weiteres Hoch seit Anfang 2001 fortgesetzt. Gegen Mittag ging es bis auf 2408,02 Punkte nach oben. Zuletzt notierte der Index noch 0,67 Prozent im Plus bei 2404,17 Zählern.

Im laufenden Jahr hat der TecDax nun schon rund ein Drittel an Wert gewonnen und damit den deutschen Leitindex Dax klar abgehängt. Dieser legte um knapp 10 Prozent zu.

Angetrieben wurde der TecDax am Freitag von einem deutlichen Kurssprung um zuletzt mehr als 7 Prozent der Aktien des Herstellers von Halbleiter-Wafern Siltronic , der branchenweit für gute Stimmung sorgte. Die Papiere profitierten ebenso von positiven Analystenkommentaren zu den Geschäftsperspektiven wie die des Biotech-Unternehmens Morphosys .

Zudem gewann das Index-Schwergewicht United Internet 0,96 Prozent auf 52,41 Euro. Das Rekordhoch bei 52,81 Euro rückt damit immer näher./mis/jha/

22.09.2017

AKTIE IM FOKUS: L'Oreal-Aktie profitiert von Spekulationen über Nestle-Anteil

PARIS/ZÜRICH (dpa-AFX) - Spekulationen über die zukünftige Aktionärsstruktur beim französischen L'Oreal-Konzern haben am Freitag die Anleger in Atem gehalten. Der Tod der L'Oreal-Milliardenerbin Liliane Bettencourt heizte die Spekulationen über den Anteil von Großaktionär Nestle erneut an. Der Schweizer Lebensmittelkonzern selbst wollte sich am Freitag zu den Spekulationen am Markt nicht äußern.

L'Oreal-Papiere verteuerten zuletzt um mehr als rund dreieinhalb Prozent auf 4 Prozent auf knapp 183 Euro - damit waren sie unangefochtener Spitzenreiter im schwächelnden EuroStoxx 50 und zurück auf dem Niveau von Ende Juni. An der Schweizer Börse stiegen Nestle-Aktien um knapp 1 Prozent.

Die Tochter von von L'Oreal-Gründer Eugene Shueller war in der Nacht zu Donnerstag gestorben. Ihre Familie hält rund ein Drittel der L'Oreal-Anteile. Nestle wiederum ist seit vielen Jahren an dem französischen Konzern beteiligt und hielt zuletzt 23 Prozent. Der Wert des Aktienpakets beläuft sich derzeit auf knapp 24 Milliarden Euro.

Damit richten sich die Blicke nun auf den zwischen Nestle und der Gründerfamilie ausgehandelten Aktionärsvertrag. Dieser sieht vor, dass sowohl der Schweizer Konzern als auch der Bettencourt-Clan ihren Anteil bis zu sechs Monate nach dem Tod von Liliane Bettencourt nicht erhöhen können. Verkaufen können beide Partien ihre Anteile hingegen jederzeit. "Viel dürfte nun von Bettencourts Erben abhängen", schrieb Martin Deboo vom Analysehaus Jefferies in einer aktuellen Studie.

So könne entweder "gar nichts" passieren und Nestle seinen Anteil unverändert lassen. Es sei aber auch ein Rückkauf der Nestle-Anteile durch L'Oreal möglich. Oder Nestle selbst könne die Macht beim Kosmetikriesen an sich reißen. Dieses sei aber ein "radikaleres Szenario" und ein "riskanter Deal "für Nestle. Deboo hält ein solches Vorgehen deshalb für unwahrscheinlich.

Auch Analystin Pinar Ergun von der Schweizer Großbank UBS glaubt nicht, dass Nestle nach L'Oreal greifen wird. Sie verwies auf Aussagen des neuen Konzernchefs Mark Schneider, der sich auf kleinere bis mittelgroße Übernahmeziele konzentrieren wolle. Zudem seien bei Nestle die Geschäftsfelder Wasser, Kaffee, Tiernahrung sowie die Selbstmedikation im Fokus. Ähnlich sehen dies auch die Experten vom Analysehaus Kepler Cheuvreux. Eine Erhöhung des Anteils würde demnach nicht zur Strategie bei Nestle passen.

Die Analysten der Zürcher Kantonalbank gaben zu bedenken, dass Nestle seine Beteiligung an L'Oreal bereits 2014 reduziert habe. Eine Aufstockung halten sie deshalb nun für unwahrscheinlich. Stattdessen dürfte der Lebensmittlkonzern in den kommenden Jahren seine Beteiligung weiter abbauen.

Brisant wird die Sache deshalb, weil der aktivistische Investor Dan Loeb, der Nestle seit Juni gehörig auf Trab hält, bereits auf einen Verkauf des L'Oreal-Aktienpakets gedrängt hat. Liberum-Experte Nico von Stackelberg verwies jedoch darauf, dass mit Tom Russo ein anderer, langfristig orientierter Nestle-Investor den L'Oreal-Anteil als großen Wertbringer seit Jahrzehnten bezeichnet habe. Nestle-Chef Schneider selbst hatte noch im Februar in einem Interview mit Bloomberg TV die L'Oreal-Beteiligung als von hohem strategischem Wert bezeichnet. Es gebe kurzfristig keine Not, dies zu ändern, so der Manager damals.

Sollte L'Oreal andersherum den Nestle-Anteil zurückkaufen wollen, könnte der Konzern hierfür seine Beteiligung am Pharmakonzern Sanofi veräußern, rechnete Analyst Pierre Tegner von Natixis vor. Die nötigen Geldmittel für eine Übernahme hätte der französische Konzern auch so: Das Unternehmen ist frei von Schulden und sitzt auf Eigenmitteln in Höhe von rund 28 Milliarden Dollar./tav/AWP/la/she

22.09.2017

ANALYSE: Jefferies erwartet längere Durststrecke für Airbus

NEW YORK (dpa-AFX) - Beim Analysehaus Jefferies ist die Vorliebe für Airbus angesichts der Probleme mit mehreren Flugzeugtypen etwas abgekühlt. Jefferies-Analyst Sandy Morris, der die Aktie seinen Kunden jahrelang zum Kauf empfohlen hatte, stufte das Papier in einer Studie vom Freitag auf "Hold" ab. Langfristig seien die Aussichten für die Entwicklung von Gewinn und Aktienkurs zwar intakt. Allerdings sei er für 2017 und die nächsten beiden Jahre bisher zu optimistisch gewesen. Die Umstellung auf modernisierte und neue Flugzeugtypen drücke stärker auf den Gewinn als gedacht.

Sein Kursziel für die Airbus-Aktie beließ Morris bei 75 Euro, nachdem die Aktie am Donnerstag auf das Rekordhoch von 77,98 Euro geklettert war. Seit der Analyst die Aktie im Jahr 2012 erstmals zum Kauf empfohlen hatte, ist der Börsenwert des Unternehmens um fast 190 Prozent auf zuletzt rund 60 Milliarden Euro gestiegen.

Jetzt räumt Jefferies ein, die seit Längerem aufziehenden Schwierigkeiten bei Airbus bisher nicht angemessen berücksichtigt zu haben. So erweist sich die Modellumstellung vom Mittelstreckenjet A320 auf die Nachfolgerin A320neo als schwieriger als gedacht. Technische Probleme an den Triebwerken der United-Technologies-Tochter Pratt & Whitney führen dazu, dass Airbus Flugzeuge erst mit monatelanger Verspätung ausliefern kann. Beim Großraumjet A350 kämpft der Konzern mit Problemen der Zulieferer - dort geht es vor allem um die Kabinenausstattung.

Ende 2017 dürfte Airbus bei seinen Auslieferungen daher erneut an die Grenzen des Möglichen gehen. Schon im Dezember 2016 hatte der Hersteller insgesamt 111 Verkehrsflugzeuge ausgeliefert - fast ein Sechstel der Jahresproduktion. Morris bezweifelt, dass Airbus diesmal 130 Maschinen in einem Monat schaffen könnte. Daher rechnet er auch nicht damit, dass Airbus in diesem Jahr wie geplant 720 Verkehrsjets an seine Kunden übergeben kann. Airbus-Chef Tom Enders hatte das Ziel schon im Juli unter Vorbehalt gestellt. Morris geht nun von 704 Maschinen aus.

Auch für die kommenden Jahre korrigiert der Experte seine Erwartungen nach unten. Für 2018 rechnet er beim operativen Gewinn (Ebit) statt 5,5 Milliarden nur noch mit 4,4 Milliarden Euro. 2019 dürften es statt veranschlagter 7,1 Milliarden nur 5,4 Milliarden Euro werden.

Ein gewichtiger Grund für die Abstriche ist der langwierige Hochlauf der A350-Produktion. Seit der Auslieferung des ersten Exemplars schraubt der Konzern die Produktionsrate stetig nach oben. Nicht schließende Toilettentüren und Lieferprobleme des Sitzherstellers Zodiac bremsten jedoch die Auslieferung der Flieger an die Kunden. Morris geht zwar weiterhin davon aus, dass Airbus bei dem Modell 2020 die Gewinnschwelle erreicht. Die Verluste dürften von geschätzten 1,1 Milliarden Euro im laufenden Jahr nach seinen Berechnungen auf 451 Millionen im Jahr 2019 sinken. Bisher hatte Morris für 2019 allerdings rund eine Milliarde Gewinn erwartet.

Moderate Verluste dürfte Airbus dem Experten zufolge auch bei seinem Riesenflieger A380 verbuchen, der zuletzt immerhin die Gewinnschwelle erreicht hatte. Doch wegen fehlender Neubestellungen soll die Produktion ab 2019 auf nur noch acht Maschinen pro Jahr sinken. Dadurch verteilen sich die Fixkosten auf weniger gebaute Maschinen.

Erst ab dem Jahr 2020 sieht Morris Airbus wieder auf dem Niveau, das er dem Hersteller bisher vorausgesagt hatte. Dann dürfte der Hersteller die Umstellung von der A320 auf die A320neo komplett vollzogen haben, und der 20 Jahre alten Langstrecken-Typ A330 sollte von seiner modernisierten Nachfolgerin A330neo abgelöst worden sein. Nicht zuletzt sollte dann auch die A350 Gewinn abwerfen./stw/oca/

Analysierendes Institut Jefferies

Datum der Analyse: 22.09.2017

22.09.2017

AKTIE IM FOKUS 2: Siltronic knacken 100-Euro-Marke - Analysten loben Geschäfte

(neu: mehr Details und Hintergrund)

FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Zahlreiche positive Analystenkommentare nach dem Kapitalmarkttag von Siltronic haben der Rekordrally der Aktien des Halbleiterunternehmens am Freitag zusätzlichen Schwung verliehen. Die Papiere sprangen erstmals über die Marke von 100 Euro und erklommen am Vormittag eine Bestmarke bei 104,85 Euro. Zuletzt führten sie den TecDax mit einem Plus von noch 7,21 Prozent auf 104,00 Euro an. Die Aktien der ehemaligen Siltronic-Mutter Wacker Chemie legten um fast 3 Prozent zu. Der MDax -Konzern ist noch mit rund 31 Prozent beteiligt.

Eine hohe Nachfrage bei vergleichsweise geringen Branchen-Kapazitäten kommt Siltronic schon eine Weile zugute. Auf Sicht von zwölf Monaten liegen sie mit einem Plus von mehr als 350 Prozent unangefochten an der Spitze des Technologiewerte-Index. Dabei ging es allein im bisherigen Jahresverlauf um rund 137 Prozent nach oben.

ANALYSTEN LOBEN PREISENTWICKLUNG UND INVESTITIONSDISZIPLIN

Am Donnerstag hatte Siltronic-Chef Christoph von Plotho während des Kapitalmarkttages abermals auf das Wachstums- und Gewinnpotenzial des Konzerns sowie die Fortschritte bei den Kosteneinsparungen hingewiesen. Analyst Martin Jungfleisch vom Investmenthaus Kepler Cheuvreux bezeichnete die Veranstaltung als "sehr überzeugend". Siltronic dürfte weiterhin von einer konstanten Nachfrage nach Halbleiter-Wafern und vermutlich weiter steigenden Preisen profitieren. Der Experte hob sein Kursziel auf 121 Euro an und bestätigte seine Kaufempfehlung.

Analysten wie Jürgen Wagner vom Investmenthaus Mainfirst hoben zudem die Disziplin bei den Investitionen hervor. So richtet Siltronic den Fokus nach eigenen Angaben auf Kostensenkungen sowie Effizienzsteigerungen. Zudem will das Unternehmen mit dem Halbleitermarkt mitwachsen, ohne dass es zu Überkapazitäten kommt. Ist das Angebot im Vergleich zur Nachfrage zu hoch, kann das den Konkurrenzkampf vergrößern und zu sinkenden Absatzpreise führen. Derartige Überkapazitäten hatten den Halbleitermarkt vor dessen aktuellen Aufschwung jahrelang belastet.

CITIGROUP HEBT AUF 'KAUFEN'

Neben der Investitionsdisziplin verwies auch Mainfirst-Experte Wagner auf steigende Absatzpreise. Er hob seine Gewinnschätzungen für Siltronic deutlich an und erhöhte das Kursziel auf 125 Euro. Analyst Achal Sultania von der Schweizer Bank Credit Suisse brachte ähnliche Argumente vor und hob sein Kurziel auf 120 Euro an.

Amit Harchandani von der Citigroup sieht mittelfristig bis zu seinem neuen Kursziel von 115 Euro zwar nicht ganz so viel Luft nach oben, stufte die Aktien angesichts ihres Potenzials aber auf "Kaufen" hoch./mis/jkr/jha/

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End-of-Day-DAX-Kursdaten Quelle: vwd GmbH

dpa-AFX Analyser