WASHINGTON/BERLIN (dpa-AFX) - Nach dem von US-Präsident Donald Trump verkündeten Zollpaket bereitet die Welt den Gegenschlag vor - und hofft, das Schlimmste noch abzuwenden. Die Europäische Union und China kündigten Gegenmaßnahmen an, suchen aber zugleich weiter den Dialog.
Die von Trump verkündeten Zölle dürften die Wirtschaft weltweit aus Sicht von Ökonomen ausbremsen und könnten die Teuerung global befeuern und so Verbraucher erheblich belasten. Die Sorge vor einer anhaltenden Rezession in Deutschland, wo vor allem die Autoindustrie und der Maschinenbau von der aggressiven Handelspolitik Washingtons betroffen sind, ist groß.
Das gewaltige US-Zollpaket und damit verbundene Konjunktursorgen setzten die Finanzmärkte weltweit unter Druck. Am Frankfurter Aktienmarkt fiel der Dax deutlich. Zuvor gab es bereits kräftige Kursverluste an den Börsen in Asien.
Auch die Ölpreise sanken deutlich, während die Flucht in sichere Anlagehäfen den Goldpreis auf ein Rekordhoch trieb. Der US-Dollar wiederum stand nach dem Zollhammer zu allen anderen wichtigen Währungen unter Druck und profitierte nicht als sicherer Hafen. Im Gegenzug legte der Euro deutlich zu.
"Frontalangriff auf Welthandel"
Der geschäftsführende Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte: "Das ist ein Anschlag auf eine Handelsordnung, die Wohlstand überall auf dem Globus geschaffen hat." Der geschäftsführende Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zog eine Parallele zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Russlands Angriff auf die Ukraine. Der Präsident Außenhandelsverbandes BGA, Dirk Jandura, sprach von einem "Frontalangriff auf den Welthandel".
Trump hatte die Zölle bei einem Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses angekündigt. So führt die US-Regierung neue pauschale Zölle von zehn Prozent auf alle Importe in die USA aus nahezu allen Ländern ein. Für einige der größten Handelspartner sollen je nach Handelsdefizit deutlich höhere Abgaben greifen.
Auf Einfuhren aus Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union in die USA etwa sind demnach neue Zölle in Höhe von 20 Prozent vorgesehen, für China 34 Prozent. Weniger stark betroffen sind Länder, die zuletzt ein Handelsdefizit mit den USA aufwiesen. - darunter etwa Großbritannien. Unter anderem Russland wird auf der Liste nicht erwähnt.
Die EU bereitet sich vor
"Wir finalisieren bereits das erste Maßnahmenpaket als Reaktion auf die Stahlzölle und bereiten nun weitere Maßnahmen vor, um unsere Interessen und Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die EU könne keine globale Überkapazität auffangen und kein Dumping auf ihren Märkten akzeptieren.
Wann und wie die EU handelt, ist unklar. Handelskommissar Maros Sefcovic plant am Freitag eine Videoschalte mit der US-Seite. Er machte klar, sollten sich beide Seiten nicht auf einen fairen Deal einigen, werde die EU nicht tatenlos zusehen. "Ungerechtfertigte Zölle werden unweigerlich nach hinten losgehen."
Deutliche Preissteigerungen möglich
Die Ankündigung Trumps ist der bislang aggressivste und folgenreichste Schritt im Zuge der ohnehin rabiaten Handelspolitik des US-Präsidenten. Er will mit Zöllen angebliche Handelsungleichgewichte korrigieren und mehr Produktion in die USA verlagern. Zugleich sollen Zolleinnahmen genutzt werden, teure Wahlversprechen wie Steuersenkungen zumindest teilweise zu finanzieren.
Verbraucher in den USA müssen sich auf deutliche Preissteigerungen einstellen. Eigentlich will Trump die Inflation drücken. Auch die Menschen in Deutschland, Europa und anderen Teilen der Welt werden die Folgen spüren.
Eine Frage der Fairness?
Bei dem Paket geht es um sogenannte wechselseitige Zölle. Die US-Regierung argumentiert, dass die USA lediglich überall dort ihre Zölle anheben, wo internationale Partner ihrerseits Abgaben verlangten oder anderweitige Handelsbarrieren für US-Firmen aufgebaut hätten. Das sei nur gerecht.
Wie die Amerikaner diese angeblichen Benachteiligungen aber berechnen, ist undurchsichtig und die "Fairness" des Schrittes daher schwer nachvollziehbar.
"Wir wissen nicht, wie US-Präsident Donald Trump zu diesen Zahlen kommt", sagte Rolf Langhammer, Ökonom am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW). "Wir tappen noch im Dunkeln." Trump versuche wohl unter anderem sogenannte nichttarifäre Handelshemmnisse einzukalkulieren. Als Beispiel nannte Langhammer hormonbehandeltes Rindfleisch, das aus den USA nicht in die EU eingeführt werden dürfe. Da klebe Trump dann einfach ein Preisschild dran.
Wen es wie trifft
Zölle in Höhe von zehn Prozent sollen universell auf alle Importe in die Vereinigten Staaten gelten und bereits an diesem Samstag in Kraft treten. Jenseits davon soll es individuelle Strafabgaben geben, die je nach Land variieren. Diese sollen ab dem 9. April greifen. Dabei werden vor allem jene Länder ins Visier genommen, die aus Sicht der USA besonders hohe Handelsbarrieren für amerikanische Produkte haben. Für Dutzende Staaten sind höhere Abgaben jenseits der zehn Prozent vorgesehen, zum Teil weit darüber.
Für die Ukraine werden Strafzölle von 10 Prozent fällig. Russland fehlt dagegen auf Trumps langer Zollliste. Russland sei nicht berücksichtigt worden, weil US-Sanktionen bereits "jeden bedeutenden Handel ausschließen", sagte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt.
Tatsächlich importieren die USA immer noch mehr Waren aus Russland als aus der Ukraine. Bei Gesprächen Russlands und der USA über eine Waffenruhe in der Ukraine hat der Kreml zuletzt eine Lockerung der Sanktionen gefordert.
Trump setzt seit dem Wiedereinzug ins Weiße Haus - ähnlich wie in seiner ersten Amtszeit - im großen Stil auf Zölle. Er verhängte bereits Strafabgaben auf alle Aluminium- und Stahlimporte, brachte Zölle in Höhe von 25 Prozent auf importierte Autos und Autoteile auf den Weg, führte erhöhte Zölle auf alle Waren aus China ein und nahm auch Kanada und Mexiko ins Visier.
Die Folgen für Verbraucher
Ein Importzoll funktioniert ähnlich wie eine Steuer. Die Abgabe muss vom importierenden Unternehmen an den Staat gezahlt werden - in diesem Fall also von Firmen in den USA. Es gilt als wahrscheinlich, dass die importierenden Unternehmen die höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben.
Trump will US-Firmen davon abhalten, Produkte aus dem Ausland einzuführen. Das soll langfristig den Produktionsstandort USA stärken. Da mit Gegenzöllen gerechnet wird und auf die exportierenden Unternehmen in den USA, aber auch in anderen Ländern Umsatzeinbußen zukommen dürften, könnte dies zu einem Rückgang der Produktion und Stellenstreichungen rund um den Globus führen.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat errechnet, dass die neuen Zusatzzölle Deutschland über die vierjährige Amtszeit von Trump rund 200 Milliarden Euro kosten könnten. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt läge dann 2028 um etwa anderthalb Prozent niedriger als ohne Zölle.
Modellberechnungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zeigen wiederum, dass die angekündigten Zölle für die US-Wirtschaft binnen eines Jahres ein Minus von fast 1,7 Prozent bedeuten sowie Preissteigerungen von über 7 Prozent und ein Exportminus von fast 20 Prozent.
Was betroffene Länder tun können
Neben Gegenzöllen können sie vor allem den Handel untereinander stärken und so versuchen, die Folgen von Trumps Handelspolitik abzufangen. Die deutsche Wirtschaft pocht auch auf bessere Standortbedingungen hierzulande.
Der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, sagte, die USA seien zwar Deutschlands wichtigster Handelspartner. "Die Lieferungen in die Staaten liegen allerdings bei weniger als zehn Prozent unserer Gesamtexporte. Wir sind auch auf anderen Weltmärkten gut vertreten." Das sei jetzt auszubauen, etwa mit dem Mercosur-Abkommen mit südamerikanischen Staaten und einem Handelsabkommen mit Indien. Ähnlich äußerte sich Habeck./jac/DP/nas